1. So also sah der Tod aus

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endgültig und unumkehrbar. Nein, das war völlig in Ordnung. Die Person war zufrieden mit dem Ergebnis. Das Gift hatte schneller gewirkt als erwartet. Die Person wußte um die Wirkung. Sie hatte extra noch ein paar Informationen vorher gesammelt, um keinen Fehler zu machen. Schließlich sollte es schnell und problemlos funktionieren.
Auf dem Schränkchen gleich neben dem Bett stand noch die Kanne mit dem Tee und eine Tasse, die jetzt leer war. Das fahle Licht der Nachttischlampe mit ihrem winzigen Schirmchen aus Stoff konnte dem Ganzen keine mildernde Farbe schenken. Im Gegenteil, man hatte das Gefühl, der trostlose Schein half, alles viel klarer zu sehen.
Die schweren dunklen Vorhänge waren zugezogen, als ob sie die Beteiligten vor den neugierigen Blicken da draußen schützen wollten. Auf dem kleinen Sofa davor lag die Kleidung ordentlich zu einem Paket zusammengelegt. Die Hausschuhe standen genau an der Teppichkante und bildeten mit ihr einen rechten Winkel.
Das Bett dominierte in diesem Zimmer. Es war viel zu groß, selbst für zwei Personen. Der tote Körper, der dort jetzt lag und auf sein Erkalten wartete, wirkte ganz verloren darin. Der Tod hatte alle Regung aus dem Gesicht radiert. Die Starre wirkte gespenstisch und unwirklich als sei jedes Glied aus Wachs modelliert. Die hervorstehenden Knochen über der eingefallenen Brust mahnten als Zeichen der Vergänglichkeit. Fest spannte sich die Haut über den Wangen als würde ein Gewicht sie nach unten in die Tiefe ziehen, um dort am Unterkiefer Falten zu schlagen als untrüglichen Beweis des fortgeschrittenen Alters…
Unzählige Fältchen, die wie Strahlen einer missglückten Sonne, die schmalen Lippen umgaben, traten hervor, um jetzt endlich gebührende Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Mundwinkel, magisch von der Erde angezogen, waren von tiefen Kerben umrahmt als hätte jemand mit einem Meißel nachgeholfen. Der offene Spalt des Mundes gab widerwillig kleine gelbe Mäusezähne frei. Die fleischige Nase ragte wie ein übergroßer Knorpel aus dem sonst so schroffen Gesicht hervor als wolle sie wenigstens damit der Person eine weiche Note verleihen. Die eisblauen Augen schwammen in trübem Wasser, weit aufgerissen, staunend über das, was geschehen war. Das weiße Haar kräuselte sich steif zu beiden Seiten der Stirn und umkränzten das Antlitz wie eine Girlande, die trotz aller Bemühungen den Gesamteindruck nicht zum Positiven wenden konnte.
Die Person, die neben dem Bett stand, erforschte wie gebannt jedes Detail des Todes, um es sich fest einzuprägen. Es war wie das Abspeichern von Daten über einen neuen Vorgang, neue Erfahrungen, die man anderweitig nutzen konnte. Sie dachte nicht darüber nach, ob sie sie jemals brauchen würde. Es war wie ein Zwang, alles, was ihr begegnete erforschen zu wollen, damit man die Kontrolle darüber hatte. Denn sonst würde die Angst, die mit der Unwissenheit einherging, sie verschlingen und davor mußte sich die Person immer wieder aufs Neue schützen.
Solch ein Gefühl wie Reue verspürte die Person nicht. Im Haus hatten sie alle einen Grund gehabt, den Tod dieses Menschen herbeizusehnen. Das Handeln war nur eine logische Folge der Ereignisse gewesen…
Das morgendliche Singen der Vögel im Garten holte die Person in die Wirklichkeit zurück und fort von ihren Betrachtungen. Lautlos verließ die Person das Zimmer. Im Haus war es noch still. Kein Mucks war zu hören. Als die Person, die Treppe hochging, achtete sie darauf, wo sie hintrat, da das alte Holz der Stufen an einigen Stellen knarrte, wenn man es berührte. Unbemerkt war sie an ihrem Zimmer angelangt und schlüpfte leise hinein, um sich in das wärmende Bett zu legen. Hier fühlte sie sich sicher und geborgen. Das ganze Ereignis eben kam ihr jetzt so unbedeutend und irreal vor. Ein blasser Schimmer fiel durch den Stoff am Fenster und kündigte den neuen Tag an. Müde und benommen nach der harten Arbeit, konnte die Person sich endlich entspannen, die Augen schließen und sich dem erholsamen Schlaf hingeben, der gleich eintreffen würde wie ein guter Freund auf den man sich immer verlassen konnte…

 

2. Was vorher geschah…

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2. Was vorher geschah…

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Sonja stand vor dem Spiegel in ihrem Schlafzimmer und kämmte sich ihr welliges Haar, was ziemlich schnell ging, da es in der Länge nur ihren Nacken umspielte. Außerdem bewegte sie sich nachts kaum im Bett, so dass sie auch mal ohne Kämmen auskommen würde. Es sei denn, ihr viel reisender Ehemann Kevin schaute zu Hause vorbei und verbrachte die Nacht mit ihr. Kev, der so genannt werden wollte, war im Bett genauso flüchtig wie sein Name und wie bei jeder anderen Sache, weil er in Gedanken schon beim nächsten Projekt oder dem nächsten Kunden verweilte.
Die Sonne ließ das helle Haar rötlich blond schimmern, wie fließende Bronze. Ihre Sommersprossen mochte sie nicht besonders. Sie waren wie ein Makel, der sie von anderen Menschen trennte. Ihre schlanke Figur verbarg sie unter einem geschmeidig langen Kleid, welches ihr genug Bewegungsfreiheit im Alltag ließ. Die erdigen Farben auf dem Stoff flossen ineinander über als hätte sie jemand beiläufig darüber gegossen und gaben ihr so das Aussehen, einer dem Wald entsprungenen Elfe, die sich im wahren Leben verirrt hatte. Aber ihr abgeklärter Blick aus den klaren bernsteinfarbenen Augen verrieten, dass dieses Wesen in der Wirklichkeit angekommen war.
Sonja war schon so lange mit Kev verheiratet. Sie konnte sich nicht mehr erinnern, wie es war, mit einem Mann zusammenzusein, der seine ganze Aufmerksamkeit, in diesem einen Moment, nur ihr widmete. Sie versuchte sich vorzustellen, wie Kev sie dann berühren würde, aber es gelang ihr nicht. Da tauchte ein anderer Mann vor ihrem geistigen Auge auf. Das Bild zauberte ihr ein Lächeln ins Gesicht.
Er war groß und hager, seine grünen Augen schienen sie jedes Mal zu durchleuchten als wisse er genau, wie es um sie stand. Wenn er sich mit seinen schmalen Händen verlegen durch’s rötliche Stoppelhaar strich, mußte sie jedes Mal schmunzeln, weil diese Geste tief in ihrem Inneren etwas berührte. Eine erotische Anziehung lag in dieser Unbeholfenheit, aber es erinnerte sie auch an etwas…
Sie wollte jetzt nicht weiter grübeln. Viel lieber stellte sie sich vor, wie diese Hände sich anfühlten. Er stand vor ihr und strich ihr sanft das Haar aus dem Gesicht. Seine Finger glitten über ihre Arme, so dass sie eine Gänsehaut verspürte. Er hielt sie schützend fest als wolle er ihr Fels in der Brandung sein und sie standen einfach nur so da. Sie würde sich dabei langsam entspannen, sich an ihn schmiegen und diesen Moment genießen. Seine Fingerspitzen streichelten über ihren Rücken, zogen dann feine Kreise hoch bis zu ihrem Hals. Ihre Nackenhärchen stellten sich auf und ein leichter Schauer wehte darüber. Sie wandte ihr Gesicht dem seinen zu, welches über ihr war. Ihre vollen Lippen formten einen stummen Kuss, um sich den seinen zu nähern. Er hatte leicht geschwungene Lippen, die in zwei Grübchen endeten. In ihrem Tagtraum bewegten sich diese begehrenswerten Lippen auf sie zu und Catt!
Immer an dieser Stelle kam sie nicht weiter. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, wie der Kuss mit ihm ablaufen würde. Wie es sich anfühlte, wußte sie. Es war ein Gefühl von Sichfallenlassendürfen und Begehrenswertsein. Warum konnte sie dann den Kuss nicht sehen? Es machte ihr Angst, dazu kein Bild zu bekommen. Wo sie doch nie Schwierigkeiten hatte, Dinge zu sehen, die andere Menschen nicht einmal ahnen konnten…

Mechanisch räumte sie ihr Nachthemd fort wie auch die übrigen Sachen, die im Zimmer auf einem Sessel lagen. Der Raum hatte eine klare Struktur. Neben dem großen Bett und einem Sofa mit dazugehörigem Tisch davor, umrahmten diese Möbel ein schmaler Schrank, ein kleiner Frisiertisch sowie ein Sekretär. Ein kleines Bord mit ihren Lieblingsbüchern stand nahe dem Bett. Alles war dem funktionalen Charakter untergeordnet und hatte einfache Formen aus hellem Holz. Durch die schmückenden Kleinigkeiten überall, die eine persönliche Note verrieten, hinterließ das Zimmer einen gemütlichen Eindruck und hieß so seine Besucher willkommen.
Von ihrem Zimmer bis zur Küche waren es zwei Etagen. Sonja ging in Gedanken versunken nach unten. Jeder ihrer Schritte teilte sich durch die knarrenden Dielen den anderen Bewohnern im Hause mit. Der Tag hatte begonnen…

3. Rose

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3. Rose

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Im angrenzenden Wald und hier im Park fühlte sie sich am wohlsten. Nach Sonnenaufgang pflückte sie aus der Fülle der natürlichen Geschenke geeignete Kräuter zum Weiterverarbeiten. Sie wußte genau, wo sie suchen mußte. Immerhin war sie schon als kleines Mädchen mit ihrer Großmutter hier im Wald gewesen. Es machte ihr Spaß, durch die Natur zu streifen und zu beobachten, wie das grüne Leben in den Jahreszeiten heranwuchs und wieder verging.
Auf dem Dachboden ihres Hauses trocknete sie dann die Kräuter, um aus ihnen aromatische Tees zu mischen. Manche Pflanzen waren geeigneter für Salben und alkoholische Auszüge, da sie so eine intensivere Heilwirkung zeigten. Nach diesen Verwandlungen präsentierten Sonja und Rose die magischen Mittel liebevoll verpackt in buntbedruckten Döschen, geheimnisvollen Kartons sowie in Violen mit farbenprächtigen Flüssigkeiten in ihrem kleinen Laden, der jede Kundin beim Eintreten mit seinen wohlriechenden Düften umfing und in eine märchenhafte Welt entführte.
Viele Menschen kamen in ihren Laden, sich bei ihren alltäglichen Wehwehchen helfen zu lassen oder um bei einem köstlichen Tee zu entspannen. Rose hörte den Menschen geduldig zu, wenn sie von ihren Problemen erzählten. Aber ihre Geschichten, erreichten sie nie wirklich. Sie hörte statt dessen ein Rauschen wie im Radio.
Die Bilder aus diesen Geschichten flogen wie Puzzleteile durch die Luft und verschwanden irgendwo im Raum hinter ihr. Rose sah sich lieber die wunderschönen Lichter an. Sie waren um jeden Kopf herum angeordnet – eine einzigartig schillernde Farbenpracht! Manchmal kam es vor, dass einzelne Farben schmutzig aussahen. Dann hielt Rose die verschiedenen Tinkturen in den Regenbogen bis sie die ausgleichende gefunden hatte und sich die düstere Farbe wieder in ihr ursprüngliches Licht verwandelte. Dieses Mittel half dann meistens sehr schnell, die Leiden und den Kummer der jeweiligen Person zu vertreiben.
Aber am liebsten war sie in den hinteren Räumen, in ihrem Labor mit all den Geräten und Büchern für ihre Pflanzen. Dort konnte sie mit ihren grünen Freunden reden. Es kam Rose so vor, als hätten die Lebewesen draußen in der Natur ähnliche Gefühle wie sie. Rose verstand oft nicht, was andere Menschen von ihr erwarteten. So etwas machte ihr Angst. Dann senkte sie jedes Mal ihren Kopf ein wenig, damit ihr schwarzes langes Haar wie ein schützender Schleier sie umgab. Ihre riesigen blauen Augen verrieten zu oft, was sie dachte oder fühlte. In diesen Augenblicken der Zurückgezogenheit konnte sie ihre Gedanken besser ordnen.
Zu dieser Morgenstunde war es hier menschenleer und sie besuchte für gewöhnlich ihre Familie nach dem Kräutersammeln. Auf einer verwitterten Bank sitzend, erzählte sie ihrer Großmutter von allem Möglichen, was sie so beschäftigte. Sie war schon immer eine gute Zuhörerin gewesen, schließlich hatte sie Rose mit großgezogen als ihre Mutter jung verstorben war.
Ihre ältere Schwester Sonja, völlig überfordert von ihrer neuen Rolle, die das Schicksal ihr aufgezwungen hatte, konnte jede Unterstützung brauchen. Manchmal kam es Rose so vor, als hätte Sonja nur deshalb so schnell geheiratet, um lieber einer selbstgewählten Verantwortung nachzugehen. Rose verstand das sehr gut. Im Gegenteil, denn dadurch war Tim in ihr Leben getreten! Er lehrte sie, ihn zu lieben, so wie er war trotz seiner Andersartigkeit. Dies auszuhalten war nicht immer leicht für die Menschen, die mit Tim zu tun hatten. Sein Vater hatte schnell aufgegeben und für sich eine passende Lösung gefunden. Kevin reiste in der Weltgeschichte umher und verkaufte Industriestaubsauger an Großkonzerne, so dass ihm wenig Zeit für die Familie blieb. Aber eines rechnete Rose ihm hoch an, er bezahlte die Rechnungen und sie durften alle in dem Haus wohnen, welches Kev’s Mom gehörte. Während die alte Dame nur dort schlief, wenn ihre Söhne vorbeischauten, lebte sie in der übrigen Zeit über dem Kräuter-Laden, der ihr ebenfalls gehörte, so wie auch das ganze Haus drumherum.
Derweil Rose ihrer Großmutter das Neuste von Tim berichtete, zupfte sie mit geübter Hand das Unkraut aus der Erde und streichelte ein letztes Mal das Gesicht des alabasterfarbenen Engels, der ihr stellvertretend zugehört hatte.
Seufzend erhob sie sich, um endlich arbeiten zu gehen. Ihr Blick glitt über die vielen bunten Blumengrüße für all die Lieben in ihren Gräbern…

 

4. Tim

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4. Tim

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Er lauschte auf die Geräusche im Haus und ordnete sie zu. Sonja hatte er an ihrem leisen festen Gang im Treppenhaus erkannt. Das Geklapper aus der Küche, verriet ihm, dass sie das Frühstück vorbereitete. Er aß immer eine Schüssel Schoko Cornflakes mit Erdbeermilch. Sonja brachte ihm manchmal andere Sorten mit, aber Tim wollte nichts Neues probieren. Seine Cornflakes schmeckten, wie es Tim gewohnt war, ebenfalls sein Orangensaft von dieser einen Firma. Der Kamillentee stammte vom Baum vor Tims Fenster. Jedes Jahr pflückte Rose die Blüten in ihren Weidenkorb und er beobachtete, wie sie es machte, damit der Tee nachher genauso schmecken würde wie immer.
Er sah auf seine digitale Armbanduhr, die sein Vater ihm von einer seiner Dienstreisen mitgebracht hatte, weil Tim immer so viel über das Wetter wissen wollte. Sein Chronometer verfügte über viele verschiedene Funktionen, z.B. zeigte er an, ob es regnen würde, wann die Sonne auf und unter ging oder wie hoch die Temperatur draußen war. Natürlich hatte die Uhr auch einen Wecker und noch mehr Schnickschnack, wie Kev es nannte. So war Tim auf einiges vorbereitet, wenn er seinen Fuß vor die Tür setzen mußte. Dort gab es so viele Faktoren, die er nicht beeinflussen, jedoch mit diesem Mini-Computer an seinem Handgelenk ein wenig kontrollieren konnte.
Tim war genau Punkt 7 Uhr erwacht, wie jeden Tag. Er lag in einem schlichten Holzbett mit blauer Bettwäsche. Er hatte dreimal die gleiche im Schrank liegen, da er keine andere Farbe mochte. Seine Sachen lagen ordentlich zusammengefaltet auf dem Stuhl vor seinem Schreibtisch, der am Fenster stand. Wenn er tagsüber am PC arbeitete und aufschaute, erblickte er den Himmel mit seinen Wolken.

Tim fotografierte für sein Leben gerne Wolken! Jede sah anders aus und er liebte es, sie im Bild festzuhalten, auf’s Papier zu drucken und nebeneinander zu hängen, um sie sich stundenlang anzusehen. Es war das einzig Unkontrollierbare in seinem Leben, was ihn faszinierte. Vielleicht, weil es so vergänglich war. Sein ganzes Zimmer war tapeziert mit Wolkenformationen.
Rose sagte jedes Mal, sie fühle sich wie im 7.Himmel bei ihm! Dass der Himmel nummeriert war, wußte Tim gar nicht, aber es gefiel ihm. Zahlen gaben den Dingen eine gewisse Ordnung. Also, Tante Rose kannte demnach den 7. Himmel. Es mußte dort untadelig sein, weil sich ihr Gesicht zu einem Lächeln formte, wenn sie davon sprach. Mittlerweile erfasste Tim, wie Freude bei Rose aussah. Auch bei Sonja und Kev konnte er diesen Gesichtsausdruck immer besser deuten. Nur bei Fremden viel es ihm sehr schwer. Darum blieb er auch lieber alleine in seinem Zimmer, wo Tim sich in Sicherheit wähnte.
Es war an der Zeit, sich fertig zu machen. Jeden Morgen um die gleiche Zeit vollzog er dieses Ritual, danach ging er in die Küche zwei Stockwerke tiefer.
Sonja hatte ihm schon alles hingestellt. Er setzte sich auf seinen Stuhl, den kein anderer benutzten durfte. Seine Mutter lächelte ihn liebevoll an und gab ihm einen beiläufigen Kuss auf den Kopf. Das tat sie jeden Morgen. Da Tim keine Umarmungen mochte, hatte er ihr gestattet, ihn jeden Morgen und Abend auf diese Weise zu berühren. Sonja lächelte jedes Mal danach. Es mache sie glücklich, erklärte sie ihm. Er wollte wissen, was dieses Gefühl bedeutet und sie sagte daraufhin: Es ist wie für dich das Wolkenfotografieren. Mit diesem Vergleich konnte Tim etwas anfangen.
Tim sprach nur mit seiner unmittelbaren Familie, aber dann auch nur das Nötigste. Rose verstand ihn auch ohne viel Worte. Sie unterhielt sich mit ihm ganz normal wie mit jedem anderen auch. Mit Fremden oder mit seiner Grandma redete Tim grundsätzlich nicht. Zum einen waren ihm die meisten Menschen zu dumm und zum anderen machten sie ihm Angst, weil er nicht verstand, was sie von ihm wollten. Auch ihre Mimik und Gestik erschloss sich ihm nicht.
Viele von denen, auch seine Grandma, behandelten ihn als wäre er schwachsinnig.
Wenn ihm all das zu viel wurde, ging er in den Garten, um Wolken zu beobachten. Das beruhigte Tim ungemein…

 

5. Im Laden

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5. Im Laden

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Tim ging sofort an den Computer von Rose und Sonja, weil sie ihr Mailfach nicht mehr öffnen konnten. Wahrscheinlich hatten sie sich einen Virus in der virtuellen Welt eingefangen. Das würde Tim gleich erledigt haben. Dann konnte er in Roses Labor seine Wolkenbilder unter ihrem Mikroskop genauer betrachten.
Sonja entfernte die Tücher von den Auslagen, die als Staubfänger dienten und legte die Döschen, Kräutertiegel und Fläschchen ansprechend zurecht, damit die Kundinnen Lust bekamen, sie auszuprobieren.
Rose schaute von ihrer Tätigkeit auf als die Türglocke läutete. Mac, ein Freund von ihnen, trat von einem Bein auf das andere im Türrahmen stehend als müsse er zuerst auf die Erlaubnis warten, hereinkommen zu dürfen. Rose lächelte ihm aufmunternd zu. Das moosgrüne Tweedsakko, welches seine kantigen Schultern verbarg war so abgenutzt an den Ellenbogen, dass die braunen Lederflicken dort schon ganz ausgebleicht waren. Seine schlaksigen Beine steckten in einer abgewetzten Cordhose, deren Farbe an einen Sommerstrand erinnerte. Für Mac waren Äußerlichkeiten nicht wichtig. Er lebte in seiner eigenen Welt voller Gedanken, Bücher und Ideen. Das machte ihn für die Menschen hier im Laden sympathisch.
Sein langes helles Haar hatte er im Nacken zusammengebunden, damit es ihn beim Lesen nicht störte. Außerdem hatte Mac keine Zeit zum Friseur zu gehen, es gab wichtigere Dinge zu tun. Er arbeitete manchmal bis in die Nacht hinein in der nahegelegenen Universitätsbibliothek. So viele Fragen beschäftigten ihn und er suchte ständig nach Antworten. Macs Hornbrille rutschte ihm immer wieder von der Nase, besonders dann, wenn er aufgeregt war, so wie jetzt.
Schüchtern legte er ein rotes Buch vor Rose hin. Sonja erkannte den Bibliotheksaufkleber. Rose, die so vertieft in ihre Vorbereitungen für das Teezeremoniell war, bemerkte endlich das Buch. Sie las interessiert den Titel und freute sich riesig, indem sie ihn anstrahlte: „Oh, Mac, Du hast daran gedacht! Wie lieb von Dir!“
„Du hast mir doch erzählt, dass Tim kein Exemplar mehr im Netz gefunden hat, da habe ich mal bei uns nachgeschaut.“
Mac nickte Tim kurz zu als der aufsah, bekam aber keine Bestätigung von ihm. Rose blätterte verträumt in dem Exemplar, strich liebevoll über das alte Papier und bewunderte die handgemalten Zeichnungen von den Kräutern. Mac stand ganz nah neben ihr. Er hatte nicht oft diese Möglichkeit und schätzte jeden dieser Augenblicke als ein Geschenk.
Mac atmete ihren Duft ein, der ihn an eine Frühlingswiese erinnerte. Er konnte den feinen Flaum an ihrem Hals erkennen. Wie gerne würde er sie dort berühren, aber er traute sich nicht. Er hatte ihr noch nicht einmal gestanden, dass er in sie verliebt war.
In diversen Ratgebern wurde Mann aufgefordert, der Dame seines Herzen unentwegt Komplimente über ihr Parfüm und die tollen Klamotten zu machen. Jedoch passte das alles nicht zu seinem Naturell. Außerdem war Rose auf natürliche Weise anmutig und schön. Sie brauchte keine künstlichen Hilfsstoffe.
Sein Freund Bryan hatte ihm mal erzählt, wie er beim Vorspiel die unechten Wimpern eines Mädchens im Mund hatte! Mac schaute angestrengt auf Roses Wimpern und er spürte mit Unbehagen, er wäre nicht in der Lage, echte von falschen zu unterscheiden. Rose bemerkte seinen prüfenden Blick und rieb sich das Auge. „Hab ich noch Schlaf drin?“, fragte sie verunsichert.
Wenn die Wimpern künstlich wären, hätte Rose bestimmt nicht so doll gerieben. Mac atmete erleichtert auf und sah eine lose Wimper auf ihrer Wange zurückbleiben.
„Du hast da eine Wimper. Du kannst Dir was wünschen“, lenkte er sie ab.
Rose überlegte kurz. “Dann gib sie mir.“ Behutsam strich er die Wimper auf seine Fingerkuppe und legte sie ihr auf die Fingerspitze. Während sie sich berührten, bemerkte Rose das erste Mal, dass Macs Hände sich sehr sanft und liebevoll anfühlten. Wie es wohl wäre, wenn er sie mit diesen Händen zärtlich streicheln würde?
Er hatte dunkelblaue Augen, wie das Meer bei Nacht und seine Lippen waren wie zum Küssen geschaffen, weich und einladend in einem markanten Gesicht. Noch nie hatte sie Mac als männliches Wesen in Betracht gezogen. Diese Gedanken verwirrten Rose.
„Nun wünsch Dir endlich was!“ Forderte Sonja sie auf, die die beiden schon eine ganze Weile belustigt beobachtete. Als Rose die Wimper weggepustet hatte und ihre Augen öffnete, sah sie geradewegs in Macs tiefes Blau und fühlte sich ertappt. Beide schauten verlegen auf den Boden. Es trat eine peinliche Stille ein. Mac überlegte, ob er was falsch gemacht hatte und Rose füllte hastig Kräuter in die Teekännchen.
Wie schaffen es die beiden nur, nicht zu spüren, was zwischen ihnen vorgeht, dachte Sonja amüsiert als die Tür aufging und eine Frau den Laden betrat, die noch weniger mitbekam als die beiden.
Agatha, die über dem Laden wohnte und wie jeden morgen ihr Reich betrat, setzte sich, ihrer Macht bewußt, auf einen gewöhnlichen Stuhl, der sich augenblicklich in ihren Thron verwandelte. Alle Augenpaare ruhten auf ihr, jeder verharrte einen Augenblick in angespannter Starre, um im nächsten Moment weiterzumachen, als wäre nur ein unbedeutender Windhauch durch den Raum gefegt. Auf diese Weise zollten sie Agatha ihren Respekt.
„Nun liebe Schwiegertochter, wann erwartest Du denn meinen Sohn in unserem Hause zurück?“ „Du telefonierst doch täglich mit ihm. Wahrscheinlich weißt Du besser als ich, wann seine Arbeit ihm ein wenig Zeit läßt, vorbeizuschauen.“
„Wenn Du Dich mehr um ihn bemühen würdest, wie es die Aufgabe einer jeden Ehefrau ist, dann würde er wohl öfter unter uns weilen!“
„Glaube mir, es kümmern sich genug andere Wesen um ihn! Er kommt nicht zu kurz“, hauchte Sonja ihr süffisant ins Ohr. Es missfiel Agatha, ständig daran erinnert zu werden, dass ihr Sohn, auf den sie so stolz war, nicht so aufrecht durchs Leben ging, wie sie es jedem weismachen wollte…

6. Kevin

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6. Kevin

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Er hatte seinen Porsche vor dem Haus abgestellt und eilte zur Tür. Niemand reagierte auf sein Klingeln. Bestimmt sind sie alle im Laden, schlußfolgerte Kev. Er war froh darüber, eine Stunde für sich zu haben. Unter dem Dach lag sein Zimmer, getrennt von allen übrigen. Er ließ seine Kleidung achtlos fallen, während er sich auszog und schlüpfte erst einmal unter die Dusche. Der warme Strahl spülte schnell die Anstrengungen der langen Fahrt fort. Den letzten Flieger hatte er gestern genommen, um einen triftigen Grund zu haben noch eine Nacht im Hotel verbringen zu können. Nur so konnte er Betty noch treffen. Er schmunzelte bei dem Gedanken, was sie alles mit ihm gemacht hatte bevor sie endlich zur Ruhe kamen.
Seine Muskeln spannten sich unter der gebräunten Haut. Sport war ihm wichtig, so konnte er sich abreagieren und seinen Körper in Schwung halten. Schließlich gab es nicht so viel Abwechslung, wenn er unterwegs war. Er liebte es, gut auszusehen, um in einem fremden Land mit den Schönheiten leichter ins Gespräch zu kommen. Die Jagd, bevor man das Wild erlegt, war das Beste an seinem Nomadenleben, aber er kam auch gerne zwischendurch nach Hause zu seiner Familie. Hier konnte er entspannen und Kraft tanken.

Wenn er mit Sonja das Bett teilte, hatte er manchmal Angst, dass sie von seinen Abenteuern mehr wußte als ihm lieb war und sie bei dieser Gelegenheit, sein bestes Stück abbeißen würde, aber auch das hatte seinen Reiz, stellte er belustigt fest.
Wenn Tim nicht wäre, hätte Sonja ihn vielleicht schon längst verlassen, aber Kev bezahlte die Rechnungen. Der Laden, das Haus, Tim, Sonja und die kleine Rose hingen alle an seiner Nadel. Der Gedanke gefiel ihm!
Komisch, wenn er in der Ferne war, hatte er am meisten Sehnsucht nach Tim, obwohl der kaum mit ihm sprach. Kev hatte sich früher immer ausgemalt, wie sie zusammen Fußball spielen würden, aber dann stellte sich heraus, dass Tim anders war… Kev hielt es nicht ohne ihn aus und wenn er hier war, konnte er es kaum ertragen, Tim so zu erleben und wollte schnell wieder weg. Obwohl ihm Sonja immer wieder versicherte, dass Tim in seiner Welt glücklich war, konnte Kev sich nicht vorstellen, wie ein Mensch ohne andere Menschen Spaß haben konnte! Und wie würde Tim in der Zukunft leben, wenn sie alle nicht mehr da waren?
Solche Gedanken ereilten Kev nur, wenn er mal zur Ruhe kam. Aber er sorgte schon dafür, dass dies nur selten geschah. Meistens war Kev so mit seiner Arbeit und anderen Aktivitäten beschäftigt, dass ihn so etwas nie lange quälte. Die Tatsache, dass Kev es nie geschafft hatte, Tim so zu lieben, wie er war und alle Last auf Sonjas Schultern lag, während er sich in der Welt herumtrieb, machte ihm noch mehr zu schaffen. Sein schlechtes Gewissen schlich sich nachts in seine Träume und tagsüber überfiel es ihn in Gestalt einer Begegnung oder eines Satzes. Er schrubbte sich die Haut mit einer harten Bürste ab, als könne er so all diese Dinge endlich loswerden.
Gut, aber im Grunde waren Sonja und er quitt. Sie kümmerte sich um Tim und er schaffte das Geld ran. Dieser Vergleich gefiel ihm so gut, dass er sich gleich besser fühlte. Den Rest der Seife wusch er mit einem kalten Guss ab und war froh, wieder zu Hause zu sein.
Als er sich in seinem Zimmer frische Sachen anzog, hörte er unten die Tür klappen. Er lauschte auf die Geräusche und erkannte an dem Poltern, dass es nur sein Bruder Bob sein konnte, der immer irgendwo gegen stieß, weil er in Gedanken noch auf seiner Bohrinsel war und es dort viel handfester zuging. Er brauchte jedes Mal Zeit, bis er hier wieder ankam und meistens mußte er dann schon wieder los. Neidvoll stellte Kev fest, dass Bob viel besser mit Tim zurechtkam und ihm dies jedes Mal klar wurde, wenn Bob auch hier war.
Er mußte unbedingt mit seiner Mutter ein ernstes Wort reden. Sie hatte ihm nicht gesagt, dass Bob auch kommen würde. Kev ging nach unten, um das Unvermeidliche hinter sich zu bringen. „Hallo Bruderherz, schön Dich zu sehen!“

 

7. Bob

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7. Bob

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Er überragte Kev um Haupteslänge, obwohl Bob zwei Jahre jünger war als Kev. Sie glichen sich nur in ihrer Haarfarbe, die an Anthrazit denken ließ. Bobs Augen hatten die Farbe reifer Kastanien und auch deren Strahlen, in denen man lesen konnte, wie in einem Buch. Während Kev’s schwarze Knopfaugen nichts über sein Inneres preisgaben. Sie waren so schwarz, wie seine Seele, meinte Sonja immer.
Beide Brüder hatten unterschiedliche Gesichtszüge. Kev’s kantige Linien verrieten, dass er sich sehr energisch holte, was er wollte. Bobs Gesicht hatte neben der ausgeprägten Nase viel Weiches um die Lippen, das Kinn und vor allem um seine Augen, was von seiner Herzlichkeit sprach.
Als Bob seinen Bruder um die Ecke seines Zimmers gucken sah, freute er sich riesig, ihn zu sehen und umarmte ihn mit seiner ganzen Kraft.
„He, Du bricht mir ja alle Knochen! Ich bin doch keiner von Deinen Seebären!“
Kevin hasste es, wenn Bob ihm zu nahe kam. Er mochte keine körperlichen Gefühlsbezeugungen innerhalb seiner Herkunftsfamilie.
„Entschuldige kleiner Bruder, ich wollte Dir nicht wehtun! Kommst Du mit in den Laden zu den anderen?“
Kevin richtete sich auf und strich sein Designerhemd glatt: „Ich bin vielleicht kleiner als Du, dafür aber älter und reifer!“, entgegnete Kev zähneknirschend.
Bob mußte schmunzeln, wie leicht das Ego seines Bruders zu provozieren war.
Lachend meinte er:“ Du bist vielleicht erfahrener, aber reifer? Die Wette würdest Du verlieren!“
Sie verließen das Haus, um die anderen zu treffen. „Na, wie gefällt Dir mein neues Auto?“, fragte Kev mit Stolz in der Stimme.
„Ganz nett das Baby, für eine Protzfahrt gut geeignet, aber wo sitzen da Tim und Sonja?“
Das war wieder mal typisch für Kev’s Bruder, dass er ihm den Spaß mit seiner Anständigkeit verdarb.
„Kann ein Junge sich nicht mal ein Spielzeug gönnen!?“
„Ein Junge schon, aber kein Mann, der Frau und Kind hat“, antwortete Bob als ob er seinem Bruder das Leben erklären müsse.
„Nimm sie Dir doch, wenn Du so scharf auf sie bist!“, platzte es aus Kev heraus. Die alte Fehde trat immer wieder hervor und Kev machte es Spaß, Bob damit zu reizen.

„Wenn sie mich haben wollte, würde ich sie sofort nehmen, aber Sonja hat etwas, was Du nie haben wirst, Bruderherz – nämlich Anstand.“
Kev mußte lauthals lachen. „Ihr mit Euren hohen Werten! Tretet Euch nur nicht gegenseitig auf die teuren Schleppen, sonst stolpert ihr noch über Euch selbst!“ Kev gefiel das Bild so gut, dass er kichern mußte und meinte: „ Mein Gott, da vergeht einem ja der Appetit auf alles!“
„Du kannst wohl immer nur an das eine denken. Was Kevin?“
„Zumindest gebe ich zu, dass es mir wichtig ist, so wie jedem normalen Mann, der einen Schwanz hat! Es kann ja nicht jeder so ein Held sein, wie mein Bruder, der seinen Sirup ständig im Klo runterspült bis die Richtige kommt!“
„Das war unterhalb der Gürtellinie, Kev. Immer, wenn Du Dich bedroht fühlst, greifst Du in die Kloake. Hab ich da etwa was angesprochen, was Dich in Deinem tiefsten Inneren berührt?“
„Komm hör auf mit dem Psychokram! Lass uns was trinken gehen und unser Wiedersehen feiern!“
„Ich trinke nicht, so lange es hell ist, aber einen Cappuccino könnte mir jetzt schmecken.“
Kev klopfte Bob verständnisvoll auf die Schulter. „Mein kleiner Bruder, der Moralapostel! Warum bist Du eigentlich nicht Pfaffe geworden? Ach ja, wegen dem Zölibat!“, zog Kev Bob freudestrahlend auf und knuffte ihn versöhnlich in die Seite.
Beide gingen jetzt friedlich nebeneinander her in Richtung Laden und tauschten Neuigkeiten aus.

 

8. Alle unter einem Dach

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8. Alle unter einem Dach

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Als Bob die Tür öffnete, fiel sein erster Blick auf Sonja. Ihr Gesichtsausdruck verriet ihm, dass sie sich intensiv auf eine Sache konzentrierte und nichts konnte sie jetzt davon ablenken. Das versetzte ihm einen Stich im Herzen. Bob hatte sich immer eine Frau gewünscht, die sich genauso in ihn vertiefen würde, doch immer traf er nur Frauen, die von einer Sache zur anderen hetzten und so gar nicht zum Innehalten kamen, um sich klar zu werden, was ihnen eigentlich wichtig war…

Mac erklärte Rose etwas aus einem roten Buch, das sie förmlich aufsog mit ihren großen Augen, die das Tor zu ihrer Seele waren und in dessen Tiefe alles Wichtige verwahrt wurde, wie in einem Safe.
Kev wurde sofort von ihrer beider Mutter vereinnahmt, in dem sie ihn mit ihren Armen umschlang, die sich wie die Tentakel einer Sepia um ihn festzogen. Sein Bruder schien sich zu winden unter ihrem festen Griff, aber er war ihr Gefangener, wie sein ganzes Leben schon…
Bob ging zu Tim, der sich hinter dem PC verschanzte, wie in einem Kampf gegen die Feinde.
„Hi Tim, alles in Ordnung bei Dir?“
Bob erwartete keine Antwort, darum fuhr er fort, die Situation zu entkrampfen.
„Schön, dass alle hier sind. Sogar Dein Vater hat es geschafft, sich frei zu nehmen.“
Tim kroch noch tiefer in seine Festung als könne er so ganz verschwinden.
„Stell Dir vor, wir hatten letzte Woche einen Sturm über der Nordsee. Dann sehen die Wolken ganz anders aus als hier, viel wilder.“
Bob bemerkte, dass Tim aufhorchte, der Blick immer noch am Bildschirm klebend, seinem sicheren Anker.
„Wenn Du willst, zeige ich Dir die Fotos, die ich gemacht habe.“
Bob holte vorsichtig seine kleine Kamera aus der Tasche und hielt sie ihm hin.
Tims Oberkörper schwankte zuerst leicht und dann immer stärker hin und her, wie das Pendel einer Uhr. Etwas in Tim hinderte ihn daran, die Kamera zu nehmen. Bob war betrübt, weil er Tim in diese für ihn ausweglose Lage gebracht hatte.
Als Kev die Situation erfasste, sprang er auf und baute sich streitlustig vor dem Schreibtisch auf: „Nun nimm schon das verdammte Ding, Tim! Du kannst das doch! Hier tut Dir niemand was!“
Tim, Kev’s Sohn, taumelte jetzt so stark, dass er gleich sein Gleichgewicht verlieren und umfallen würde. Sonja sprang auf und nahm Tim mit ins Labor, wo er sich beruhigen konnte. Bob redete beschwichtigend auf seinen Bruder ein.
„Du weißt doch, dass das Tim noch mehr verwirrt. Er kann nicht unter Druck reagieren. Du mußt ihm eine Lösung anbieten, die zu ihm passt…“
Kev riss sich heftig los und schrie: „Wenn Du so gut Bescheid weißt, wie es geht, dann mach es doch selbst! Am besten, Du nimmst die beiden mit fort, damit ich dieses Elend nicht mehr sehen muß!“
„Du meinst wohl eher – fühlen! Du erträgst dieses Gefühl nicht!“

Beide starrten sich wie Kampfhähne an und Kev war der erste, der es nicht mehr aushielt, davonrannte und die Tür hinter sich in’s Schloss schmiss.
Rose und Mac war es unangenehm, Zeugen einer solch vertraulichen Szene gewesen zu sein und sahen verlegen in ihr Buch.
Agatha trat zu ihrem Jüngsten und strafte ihn stumm mit ihren Blicken ab. So, wie sie es immer getan hatte als Bob noch klein war. Heute funktionierte das nicht mehr, sagte ihr sein unbeugsamer Blick. Mit ihrer gebieterischen Stimme versuchte Agatha Bob vergeblich in die Knie zu zwingen:
“Das könnt ihr dem Jungen doch nicht durchgehen lassen! Er muß schließlich lernen, in der Welt zurecht zu kommen!“
„Wenn es für IHN an der Zeit ist, wird er es lernen und so lange er es nicht kann, werden wir ihm dabei helfen und ihn beschützen.“
„Es ist nicht normal, wie er sich verhält! Er muß ab und zu Schläge einstecken!“
„Es hilft Tim nicht, wenn er ein Trauma erlebt. Wir holen ihn da ab, wo er steht. Und für jeden Menschen ist das ein anderer Punkt. Das müssen wir alle lernen, zu akzeptieren und ihn dabei unterstützen. Es ist für uns eine wichtige Lernaufgabe, ihn zu respektieren und ihn zu lassen, so wie er ist.“
Die alte Dame schien jetzt Feuer zu speien: “Du bist ja genauso verrückt, wie seine Mutter, diese Hexe! Der Junge gehört in eine Anstalt!“
Ihre letzten Worte halten wie ein Fluch im ganzen Haus wider. Alle Anwesende hatten sie vernommen und konnten nicht fassen, was Agatha da von sich gab in ihrer Wut…

9. Im Cafe

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9. Im Cafè

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Mac konnte sein Glück noch gar nicht fassen! Er saß wirklich mit Rose in dem kleinen Café um die Ecke. Jede Tischgruppe war aus einer anderen Stilepoche und verbreitete damit gemütlichen Charme. Hier gab es jeden erdenklichen Kaffee mit allen Extras, so dass junge Leute als auch ältere nicht auf ihre liebgewonnen Gewohnheiten verzichten mußten.
Beide waren froh, der unangenehmen Situation im Laden entflohen zu sein.
Sonja brachte mit Bobs Hilfe Tim nach Hause und Agatha hatte beleidigt ihre Räume über dem Laden aufgesucht.
Der verträumte Blick von Rose tauchte gerade in den Cappuccino mit ein als sie ihn gedankenverloren umrührte. Ein Tüpfelchen Schaum blieb an ihrer Nase beim ersten Schluck unbemerkt kleben und hielt dort die Stellung als sich Rose entspannt zurücklehnte. Mac schmunzelte über seinen Brillenrand hinweg, weil sie so zufrieden wirkte. Er könnte ihr den ganzen Tag so zusehen!
‘Gott, hat Mac wunderschöne Augen’, stellte Rose gerade fest.
‘Warum sieht er mich so unbeholfen an? Was traut er sich nicht zu sagen?’
Rose öffnete ihre Lippen, um die Worte zu formen, als seine Finger unerwartet diese berührten. Sie zuckte erschrocken zurück.
„Du hast da Schaum auf Deiner Nasenspitze. Ich wollte ihn nur wegmachen und bin aus Versehen eine Etage tiefer gerutscht,“ erklärte Mac um Verständnis bittend.
Rose mußte lachen über diese Verkettung und hielt ihm ihre Nase hin. Vorsichtig strichen seine Finger über ihre zarte Kuppe. Instinktiv nahm Rose seine Hand und führte sie zu ihrem Mund. Langsam leckte sie den weißen Schaum ab und sah ihn dabei offenherzig an.
Mac hielt still, sein Herz rutschte ihm in die Hose und bewegte dort etwas. Als könnte Rose durch den Tisch sehen, zog er hastig seine Finger weg und wurde rot im Gesicht.
Rose war selbst über ihre Tollkühnheit erstaunt als ob eine andere Person an ihrer Stelle gehandelt hatte und war nun peinlich berührt. Wie ertappt bei etwas Verbotenem sprang Rose auf, riss dabei ihre Tasse um, die scheppernd ihren braunen Inhalt über den Tisch ergoss und rannte schnell auf die Straße.
Zum Glück reagierte Mac geistesgegenwärtig. Er legte einen Schein neben die Tassen, der ausreichte, um noch die Rechnung für die Reinigung zu begleichen und eilte Rose hinterher.
Endlich hatte er sie an der Ampel eingeholt und hielt sie fest bei der Hand, so dass sie nicht mehr fliehen konnte. Rose traute sich nicht, Mac in die Augen zu schauen und verbarg ihr Gesicht hinter ihrem schützenden schwarzen Vorhang.
Mac nahm seinen ganzen Mut zusammen und strich ihr zärtlich das Haar aus dem Gesicht, wobei er zuerst zaghaft und dann mit immer festerer Stimme sich ihr erklärte.
„Rose, Du Liebe meines Herzens, ich wollte Dich nicht vor den Kopf stoßen! Vielmehr war ich verwirrt über Deine Geste, da ich sie mir schon vom ersten Augenblick unseres Kennenlernens gewünscht hatte! Und nun, wo der Augenblick gekommen ist, war ich darauf nicht vorbereitet. Verzeih mir meine unbedachte Geste in einem Moment, den ich lieber ausgekostet hätte!“
Rose sah ihn überwältigt an und konnte nicht fassen, dass sie nie etwas bemerkt hatte!
„Aber, warum hast Du denn nie etwas gesagt?“
„Weil ich dachte, Du würdest mich nie lieben! Ich bin Deiner nicht Wert!“
„Wie kommst Du nur auf diese Idee? Du bist der verständnisvollste Mann, den ich kenne!“
„Ja, das ist es ja gerade! Alle sehen in mir immer nur den Freund zum Trösten, aber nie den Mann in mir! Ich wollte Dich nicht als Freundin verlieren. Lieber wollte ich Dich aus der Ferne ansehen und von Dir träumen!“
„Oh, liebster Mac, wie viel Zeit wir verschwendet haben!“, rief Rose lachend und weinend zugleich. „Lass uns jetzt schnell alles nachholen!“
„Bitte nicht zu schnell! Ich möchte jeden Augenblick mit Dir genießen!“
Beide bemerkten nicht, wie die Leute um sie herum das ungewöhnliche Liebespaar bestaunten und sie gingen gemeinsam, versunken in ihrer eigenen Welt, Hand in Hand in den nahen Park spazieren…

10. Wunden brechen auf

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10. Wunden brechen auf

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Als Sonja Tim in sein Zimmer gebracht hatte, lud er sich die Fotos von Bobs Kamera auf seinen PC. Diese vier Wände, die Tim Schutz und Halt gaben, hier war er in der Lage, Entscheidungen für sein Handeln zu treffen. Beruhigt schloss Sonja leise die Tür hinter ihm und ging hinunter in die Küche, wo Bob für sie beide einen Cappuccino zubereitete.
In seiner Gegenwart war es kein Problem für sie, endlich einmal loszulassen und sie mußte nicht immer stark sein. Er hatte Kraft für sie beide. Ein Weinkrampf überfiel sie in dem Moment als sie bemerkte, wie Bob extra viel Schaum auf ihre Tasse tat, weil sie als einzige in der Familie das mochte. Wann hatte in letzter Zeit ein Mann auf solche Kleinigkeiten geachtet? Bob lag es im Blut, auf seine Umgebung einzugehen und diese alltäglichen Dinge zu einem Geschenk werden zu lassen.
Als die Tränen über ihre Wangen liefen, nahm Bob sie fest in dem Arm und fragte sie besorgt, was er für sie tun könne.
„Ich bin es einfach müde, immer alles auszugleichen, was Kev und Eure Mutter nicht hinkriegen mit Tim.“
Bob streichelte Sonja beruhigend über den Kopf. Ihr seidiges Haar duftete nach Moos. Das erinnerte ihn an eine andere Begegnung mit Sonja…
Ihr war wohl mit einem Mal seine Nähe bewusst und sie trat einen Schritt zurück. Sie wollte sich schützen, nicht vor Bob, sondern vor ihren Gefühlen für ihn. Die Wahrheit kam immer ans Licht. Wie lange wollte sie diese Lüge vor sich selbst und allen anderen noch aufrecht erhalten?
Bob mußte ihre Gedanken erraten haben, denn er sprach darüber:“ Warum verläßt Du ihn nicht? Du würdest es besser ohne ihn haben und Tim auch. Wovor hast Du solche Angst?“
Ja, wovor fürchtete sie sich am meisten? Vor dem Geldmangel? Dass ihre Familie auseinanderbrach, die Tim Halt gab? Oder war es die Angst vor der Einsamkeit?
Sonja wußte es nicht genau. Bevor sie noch etwas erwidern konnte, hörten sie den Schlüssel in der Eingangstür und Kev schaute um die Ecke.
Er spürte, dass er beide bei irgend etwas gestört hatte und ärgerte sich über diese Erkenntnis.
„Na, hab ich Euer Liebesgeflüster unterbrochen?“, fragte er angriffslustig und nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank.
Sonja stöhnte genervt, wie immer, wenn Kev so unreif reagierte. “ Kannst Du nicht einmal Dein beleidigtes Ego außen vorlassen?! Es geht nicht immer um das Eine!“
„Ach so, um was ging es denn dann zwischen Euch beiden?“
Wie ertappt schaute Sonja zu Boden, weil sie nicht erwartet hatte, dass Kev die richtige Frage stellen würde, zu der sie selbst keine Antwort wußte.
Einen Moment lang war es still im Raum, dann lachte Kev lauthals hinaus, weil er zufällig den Nagel auf den Kopf getroffen hatte: „Ich wußte, dass es eines Tages so kommen würde! Ihr wisst wohl selbst noch nicht, dass ihr scharf auf einander seid!“
Als Bob abwehrend die Arme hob, hielt Kev sich seine vors Gesicht und rief sarkastisch aus. “Ach Brüderlein, nimm es Dir nicht so zu Herzen! Du wolltest sie doch schon von Anfang an. Redet beide doch nicht immer um den heißen Brei herum, sondern tut es endlich! So richtig mit Haut und Flüssigkeiten!“
Das war zu viel für Bob, er konnte es nicht ertragen, wenn Kev Sonja so respektlos in seiner Gegenwart behandelte und versetzte Kev einen gezielten Kinnhaken, so dass dieser nach hinten auf einen Stuhl fiel. Das Blut schoss Kev aus der Nase, wie eine kleine Fontäne. Sonja eilte ins Bad, um eine Kompresse zu holen. Bob gab Kev das Handtuch zum Abwischen des Blutes und entschuldigte sich bei ihm. Kev sah seinen Bruder ernst an und nickte nur.
„Ich hab Sonja nie verdient, sie ist viel zu gut für mich. Außerdem hatten wir lange keinen Spaß mehr zu zweit. Ich krieg ihn nicht mehr hoch bei ihr, bei anderen schon. Ich hab’s ausprobiert“, grinste Kev breit.
„Nimm sie Dir, Tiger! Meinen Segen hast Du! Denk dran, Tim ist MEIN Sohn und bleibt es auch! Habt endlich mal Spaß, Ihr Zwei, ohne schlechtes Gewissen!“
Sonja war zurück und hielt ihrem Mann geschickt die Kompresse auf die angeschlagene Nase. Erst jetzt wunderte sie sich, dass die beiden so friedlich waren. „Was ist passiert?“, fragte sie verunsichert. Die Männer schüttelten wie auf Kommando den Kopf und sahen unschuldig drein: „Wir haben uns geeinigt!“, meinte Kevin fest entschlossen…

 

 11. Agatha

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11. Agatha

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Agatha saß in ihrem Fernsehsessel, der mit einer Fernbedienung ausgestattet war und sich somit in eine Liege verwandeln ließ, wenn sie auf den roten Knopf drückte. So etwas gefiel Agatha – per Knopfdruck die Realität verändern! Von ihrem Thron aus konnte sie das ganze Zimmer überblicken und auf die Straße hinuntersehen. Ein Spiegel an ihrem Fenster verriet ihr, wer in den Laden unten hinein und hinaus ging…
So hatte sie wenigstens etwas im Griff. Schlimm genug, dass Kev, ihr Ältester, gegen ihren Willen, diese Hexe geheiratet hatte und das nur, weil er mit seinem Schwanz wichtige Entscheidungen traf…
Tim würde eines Tages den Laden und die Häuser erben. Was sollte dieser Behinderte damit?
Ihr Ehemann Hugo, Gott hab ihn selig, hatte schließlich hart dafür gearbeitet, damit sie endlich zur guten Gesellschaft zählten. Dieser Kretin würde alles zunichte machen!
In dem Labor hinter ihrer kleinen Apotheke, die sich früher in dem Laden befunden hatte, stellte Hugo noch alle Mittel und Pülverchen selbst her, um sie dann zu verkaufen. Den ganzen Tag und manche Nacht verbrachte er dort. Er bestand darauf, dass die Menschen diese Medikamente dringend bräuchten! Seine Assistentin war immer mit von der Partie. Nie kam er ohne sie aus! Er meinte, sonst würde es noch länger dauern!

Dabei hätte sich Agatha gut vorstellen können, ihrem Mann selbst zur Hand zu gehen, aber davon wollte er nichts wissen! Sie sollte für die Kinder und ihn da sein! Von wegen! Abends war ihr Hugo immer so geschafft, dass er gleich im ehelichen Bett einschlief, dabei hatte sie ihm so viel zu erzählen! Und sie hätte auch gerne ein bißchen mehr Zuwendung von ihm bekommen – in körperlicher Hinsicht. Aber ihr Hugo meinte immer, dass der Austausch von Körperflüssigkeiten seine Leber schwächen würde und er dann wohl nicht mehr so leistungsfähig wäre. Also nahm Agatha Rücksicht und ließ ihn nachts in Ruhe…
Ein leises Kichern kam ihr über die Lippen als sie an den Bruder ihres Hugos denken mußte, der ab und zu bei ihnen nächtigte. Dessen Irma war ein dürres Gestell, im Gegensatz zu Agatha, deren volle Rundungen meist aus allen Nähten zu platzen drohten, wenn sie sich ruckartig bewegte. Der Egon bekam immer handtellergroße Augen, wenn er ihr in der Küche beim Kochen und Backen zusehen durfte. Er erzählte ihr dann von seinen Kriegserlebnissen, die so aufregend waren, dass Agatha gar nicht bemerkte, wenn Egons Finger sich dabei unter ihren Rock verirrten als suchten sie Schutz in ihrer warmen Höhle. Er war ein geschickter Mann, der Egon, und es bescherte Agatha euphorische Gefühle! Ein Sprudel stieg danach in ihr auf und belebte ihre Sinne! Das eine Mal war ihr Hugo plötzlich und unerwartet aufgetaucht, versunken in seiner eigenen Welt, bemerkte er die fremde Hand gar nicht unter dem Rock seiner Frau als er die Küche durchquerte. Beide Übeltäter waren zu Stein erstarrt, aber sie kamen mit dem Schrecken davon…
Genüsslich seufzte Agatha in ihrem Stuhl und brachte sich in eine entspannte Liegeposition, bei der die Hitze zwischen ihren Beinen entweichen konnte wie eine warme Wolke…
Ihr Hugo hatte auch immer so seltsame Pflanzenexperimente wie Rose gemacht! Bevor er an einem schwachen Herzen starb, hatte er ihr so ein Stärkungsmittel verabreicht, dessen bitterer Geschmack ihr heute noch auf der Zunge lag und ihr war immer so schummerig danach!
Als ihr Blick nach draußen ging, sah sie, wie Mac und Rose in’s Café auf der anderen Straßenseite gingen. Auch so eine Hexe! Vor 200 Jahren hätte man die beiden vor der Kirche verbrannt, aber heute wurde so etwas ja geduldet!
Noch immer war sie erregt darüber, dass ihr Sohn Kev sich nicht gegen seine Frau durchsetzen konnte und ein Machtwort sprach, was ihren Enkelsohn betraf. Nur der liebe Gott allein wußte, ob dieser Bengel ihr eigen Fleisch und Blut war! Ein schrecklicher Gedanke hatte sich in ihren Kopf festgesetzt.
Sah Tim nicht dem Sohn des Bäckers ähnlich? Da war doch mal was zwischen dem und ihrer Schwiegertochter gewesen, bevor sie ihrem Sohn den Kopf verdreht hatte?
Sie hievte sich aus ihrem Sessel und lief beunruhigt im Zimmer auf und ab. Wenn sie einen Beweis finden würde…

 

12. Alte Muster ganz neu

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12. Alte Muster ganz neu

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Als Sonja in Tims Zimmer das Bett frisch bezog, saß Tim an seinem PC und redete mit Sonja, ohne seine Arbeit zu unterbrechen. Er programmierte gerade etwas in einer Sprache, die Sonja nicht kannte.
„Was machst Du da, Tim?“ fragte sie ihn nebenbei.
„Ich schreibe ein Programm, dass meine Wolken einteilt nach Größe, Farbe und anderen Kriterien, dann kann ich sie besser miteinander vergleichen.“
Sonja staunte nicht schlecht. „Das kannst Du? Woher weißt Du, wie das geht?“
„Ich habe es im Internet gelernt.“
„Aber wer hat es Dir erklärt, wie es geht?“
„Niemand. Ich wußte einfach, wie es geht. Es ist wie ein Muster, nach dem man vorgeht.“
„Wie ein Strickmuster also“, stellte Sonja fest. Tim wußte, dass Rose manchmal strickte, aber dass sie nach einem Muster arbeitete, wußte er nicht.
Einen Moment lang überlegte Tim: „Wenn Menschen in Mustern sprechen würden, könnte ich sie besser verstehen.“
„Ich weiß, was Du meinst. Es gibt diese Muster, Verhaltensmuster. Du mußt Dir das so vorstellen. Früher hat Kev, Dein Vater, seinem kleinen Bruder, Bob, das Spielzeug immer weggenommen und wenn es ihm zu langweilig damit wurde, hat er es Bob zurückgegeben. Das ist ein Muster, was sich immer wiederholt hat.“
„Ich habe gehört, wie Kev zu Bob gesagt hat: ‚Du kannst Sie haben!‘, ist das dasgleiche Muster, Mom?“
Erst allmählich wurde Sonja klar, wovon Tim da sprach. Sie sass einen Moment fassungslos da. Die Glut ihrer Wut kroch hoch von ganz unten bis in ihren Kopf und staute sich dort. Sie brauchte ein Ventil für ihren inneren Vulkan.

Beherrscht stand sie auf und ging langsam aus dem Zimmer, um Tim nicht zu beunruhigen. Dann nahm sie zwei, drei Stufen auf einmal und rannte in die Küche, wo Kev genüsslich sein drittes Bier in sich hineinkippte, während aus seinem Laptop laut Musik plärrte.
Wie eine Furie stand sie vor ihm und kochte vor Wut und zwang ihn so, sie anzusehen.

‚Wenn sie so feurig ist, sieht sie besonders reizvoll aus‘, fand Kev. ‚Schade, dass sie dann keine Lust auf Sex hatte, der mußte unglaublich sein!‘ Sonjas Augen glühten und sie schien ihr ganzes Feuer auf ihn regnen lassen zu wollen.
„Du und Bob,Ihr habt Euch vorhin geeinigt! Worüber habt Ihr Euch geeinigt?! Sag mir die Wahrheit, Kev!“
‚Vielleicht hatte sie etwas mitbekommen‘, überlegte Kev und setzte sein Pokerface auf. Würde es ihm Vorteile bringen, jetzt zu lügen oder mehr Nachteile? Während Sonja kurz vor dem Sprung ins Gesicht ihres Mannes war, trat Bob von hinten heran. Sofort entspannte sich Kev ein wenig, weil er wußte, sein Bruderherz würde ihm den Arsch retten…
Bob war verschwitzt vom Holzhacken draußen und wischte sich mit dem Hemdsärmel über das Gesicht. “Kev meinte, er würde uns nicht im Weg stehen, wenn wir zusammen sein wollten, Sonja,“ vesuchte Bob sie versöhnlich zu stimmen.
Entsetzt schaute sie ihren Schwager an: „Du meinst also, er überläßt Dir sein Spielzeug, dass ihn nur noch langweilt! Und Du nimmst es ihm ab, so wie früher?!“
Sonja schrie: “Wenn Ihr denkt, Ihr könnt mich einfach so weiterreichen, habt Ihr Euch getäuscht! Da spiele ich nicht mit!“
Sie drehte sich um und ging. An der Tür drehte sie sich nochmal um:
„Ihr habt nicht zu entscheiden, was ich in Zukunft tun werde! Ich brauche Euch alle beide nicht!“

 13. Ein neues altes Liebespaar

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13. Ein neues altes Liebespaar

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Mac war auf dem roten Sofa eingeschlafen. Rose betrachte sein Gesicht. Wie friedlich und entspannt er aussah. Sie lächelte glücklich… Erst jetzt hatte sie Augen für ihre Umgebung. Macs Wohnzimmer – es hatte zwar wenig Möbel, aber alles war zweckmäßig eingerichtet und trug eine persönliche Note. Mac war England Fan und so zierten seine Wände Bilder mit typischen Landschaften von der Insel. Rose betrachtete die Fotos in aller Ruhe. Die Motive wirkten auf sie melancholisch und doch hatten sie etwas Positives, weil der Betrachter dieses Land liebte.
Rose mußte lächeln, weil Mac so auch zu ihr war. Er hatte sie mit einer unvorstellbaren Hingabe geliebt!
Einen Moment lang hatte er gezögert als wartete er auf ein Zeichen ihrerseits, aber als Rose weiter heftig atmete und ihm ins Ohrläppchen biss, wußte er, er durfte weitergehen…
Rose hätte zu gerne gewußt, woher er all diese kleinen Geheimnisse über Frauen wußte. Er hatte sie mit einer Fingerfertigkeit und seinen Lippen verwöhnt als wüßte er genau, was zu tun sei…
Als Rose durch Macs Zimmer ging, blieb ihr Blick am Bücherregal hängen, welches die ganze rechte Seite einnahm. Mac hatte anscheinend viele verschiedene Gebiete, die ihn interessierten. Da waren Biografien von großen Männern, neben Shakespearestücken als auch Krimis von berühmten Autorinnen, die Rose ebenfalls zu schätzen wußte. Aber an einem Buch blieb ihr Blick kleben. Ein Buch über Giftpflanzen aus Europa. Sie nahm es vorsichtig heraus und blätterte darin. Sie bemerkte gar nicht, wie Mac aufgewacht war und sie verzaubert ansah. Seine Augen strahlten sie selig an. Er war genauso verliebt wie sie!
Rose legte den Schmöker zur Seite und schmiegte sich in Macs nackten Arm.
„Trainierst Du heimlich oder bist Du im Nebenjob Agent im Dienste Ihrer Majestät?“ Flüsterte Rose bewundernd in Macs Ohr.
Er küßte sie zärtlich ins Haar: “Ich trainiere abends manchmal, wenn ich mir hier James Bond ansehe.“
„Deine Liebeskünste hast Du wohl auch von ihm gelernt?“, wollte Rose scherzhaft wissen.
Mutig wagte sich Mac nach vorne: “ Ich hatte eine gute Lehrerin…“
Rose horchte auf : “Ich dachte, Du hartes kaum eine Frau im Bett?“
Mac wußte, er mußte es ihr nun beichten, damit Rose sich kein falsches Bild von ihm machte.
Wie würde, sie es aufnehmen? Rose überlegte, warum er so auf Abstand ging und bekam es ein wenig mit der Angst zu tun. Würden ihre Träume jetzt schon zerplatzen, bevor sie überhaupt begonnen hatten? Was konnte so schlimm sein, an dem, was Mac getan hatte? War er zu einer Prostituierten gegangen? Rose wollte fort und nichts mehr hören müssen.
„Lauf nicht weg, Rose! Es ist mir nur unangenehm, es Dir zu sagen, weil ich mich schäme, so ein Versager zu sein!“ Rose fiel ein Stein vom Herzen. Sie sah ihm in die großen traurigen Augen und strich ihm sanft die Falten aus der Stirn.
„Sag es mir, Mac. Ich will es wissen und nicht weglaufen…“
Viel entspannter erzählte ihr Mac: „Ich hatte noch nie mit einer Frau geschlafen und war echt verzweifelt, weil ich auch nicht in der Lage war, Frauen anzusprechen. Irgendwie machte ich alles falsch und ich hatte genug alleine vor dem Fernseher gesessen und na ja, Du weißt schon…“, versuchte er eine Brücke zu ihr zu schlagen.
Rose verstand ihn nur zu gut und lächelte ihm Mut zu.
“Ich habe durch Bryan von einer Sexualtherapeutin erfahren. Trudi wohnt in der Nähe und hilft Männern, wie mir. Sie ist ausgebildet dafür und spricht nicht nur mit den Männern, sondern zeigt ihnen auch, wo Frauen erregbar sind und worauf Mann achten sollte…“
„Versteh ich das richtig, sie schläft mit Männern, damit diese Erfahrungen sammeln können?!“
„Nein, nein, ich habe nicht mit ihr geschlafen! Nur angefasst mit viel Theorie! Und Filme haben wir angeschaut, alles in der Männergruppe!“
Rose sah ihn entgeistert an. Sie wußte nicht, ob sie das jetzt beunruhigend oder interessant fand…

 

 14. Der Schweizer Käse bringt Licht ins Dunkel

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14. Der Schweizer Käse bringt Licht ins Dunkel

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Um die große Tafel herum waren sie alle aufgereiht, wie Spielfiguren. Im Schein der Kerzenleuchter sahen ihre Gesichter unwirklich aus, wie aus Wachs. Agatha saß an der Stirnseite, geschmückt von ihren beiden Söhnen rechts und links. Neben Kev nahmen Sonja und Tim Platz. Rose mit Mac vereint, befanden sich Tim gegenüber. Keiner sprach ein verbindliches Wort. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.
Sonja war kurz zuvor aus dem Regen nach Hause gekommen und bereitete das Essen zu mit Rose und Mac. Es gab einen Salat, Kartoffelauflauf mit Brokkoli, Hähnchenschenkel, wer wollte und einen Obstsalat.
Bob spielte derweil mit Tim irgendein Konsolenspiel am Fernseher. Er war ständig am Verlieren, weil Tims Finger so flink und seine ungeschickt waren, aber beide hatten ihren Spaß dabei. Der eine, weil er immer gewann und der andere, weil er sich freute über dessen Erfolg…
Agatha saß auf dem Sofa daneben und betrachtete versunken alte Familienfotos, während Kev, entspannt in seinem Sessel, in der einen Hand ein Bier und mit der anderen geschickt sein Handy bediente.
Als das Essen köstlich duftete und angerichtet war, schenkte Bob einen leichten Weißwein dazu ein.

Mac und Rose griffen herzhaft bei Brot und Käse zu, da sie beide großen Hunger nach ihrem Rendezvous verspürten.
Sonja schaute die meiste Zeit ins Leere und antwortete nur das Nötigste, wenn Tim etwas wissen wollte.
Für Agatha war es eine Wohltat, sie alle um sich zu haben, um zu kontrollieren, was geschah, damit sie im richtigen Moment, Einfluss nehmen konnte. Das war schließlich ihre Aufgabe!
Kev war einfach nur froh, dass alle schwiegen und er endlich mal nicht Vater, Ehemann, Sohn oder Geliebter sein mußte und sich entspannen durfte bei einem genußvollen Essen und einem guten Wein! Als er fertig war, verspürte er Lust auf Sex. Sein Blick blieb an Sonja hängen. Es erregte ihn, dass sich noch immer die Röte ihrer Wut auf ihrer Haut abzeichnete und sie somit noch sinnlicher im Schein der Kerzen aussah. Kev mußte lächeln und ging ohne ein Wort nach draußen auf die Terrasse, um eine Zigarette zum Abreagieren zu rauchen…
Agatha erzählte eine Geschichte aus ihrer Jugend. Ihre Stimme plätscherte so vor sich hin. Benommen schnitt sich Bob ein Stück vom Käse ab, den Kev von seiner Reise aus der Schweiz mitgebracht hatte. Sonst aßen sie keinen Käse, da Tims Haut allergisch reagierte. Bob mußte husten und alle schreckten auf. An seinem Hals entstanden wie durch Zauberhand große rote Flecken. Tim war fasziniert von diesem Wunder der Natur. Agatha schien dies als einen persönlichen Angriff auf ihre Rede zu verstehen: „Bob! Was machst Du denn da? Lass den Unsinn!”
Bob verstand die Aufregung nicht. Er wischte sich seinen Mund mit der Serviette ab.
“Hab ich gekleckert?“
Mac war als erster aus seiner Starre erwacht. “Du hast riesige rote Flecken da am Hals. Wahrscheinlich eine allergische Reaktion. Was hast Du denn gerade gegessen?“
Alle warteten auf seine Antwort als wäre es die entscheidende Quizfrage, um zu gewinnen.
„Den tollen Käse aus der Schweiz“, Kev trat dazu und mußte lachen, weil ihn der groteske Anblick seines Bruders abstieß und auch ängstigte.
Da sprang Sonja auf: „Du bist wirklich ein Idiot, Kevin! Du weißt doch, dass Tim Rohmilchkäse nicht verträgt!“
Kevin nickte langsam, während er sich eine neue Zigarette anzündete und den Rauch bedächtig nach draußen blies. “Aber Bob hat ihn gegessen, nicht Tim! Und mein lieber Bruder reagiert GENAUSO wie mein Sohn darauf!“

 

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15. Wer ist der Vater?

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15. Wer ist der Vater?

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Es war totenstill im Zimmer, nur die unschuldigen Vögel draußen sangen weiter ihr Lied.
„Was willst Du damit sagen, Kevin?“, wollte Agatha wissen und stand langsam von ihrem Stuhl auf.
Kev sah alle der Reihe nach an und blieb die Ruhe selbst, was man von ihm selten erlebte. Es schien, als brauche er Zeit zum Nachdenken, da sein nächster Satz Konsequenzen für sie alle haben könnte.
„Ich will damit gar nichts sagen. Schließlich gehören Tim und Bob zu einer Linie. So oder so…“
Er drehte sich abrupt um und betrat die Terrasse. Tim stand auf und bewegte sich wie ein Roboter auf die Tür zu. Er wollte nichts mehr hören und ging in sein Zimmer. Das war für Sonja das Zeichen, abzuräumen, irgend etwas zu tun, sonst hätte sie womöglich noch das gute Geschirr zerschlagen.
Rose und Mac verließen verstohlen den Raum. Dies war nicht ihre Sache und sie wollten nicht stören. Außerdem waren beide sehr intensiv miteinander beschäftigt.
Bob schenkte sich einen Whiskey ein und ging in die Bibliothek. Er wollte allein sein und wenn jemand das Bedürfnis hätte, ihn zu sprechen, wäre er bereit dazu gewesen…
Kev lief draußen herum, wie ein Tier in seinem Käfig. Was hatte das alles zu bedeuten? Warum hatten Bob und Sonja nichts dazu gesagt? Sonst versuchten doch beide immer für Recht und Ordnung zu sorgen? Aber dieses Mal waren beide stumm geblieben. Sollte das etwa heißen… Er wagte den Gedanken, nicht zu Ende zu denken. Während er noch vor sich hin grübelte, trat Agatha auf ihren Sohn zu und hielt ihn am Arm fest. Eindringlich sprach sie auf ihn ein.
„Weißt Du überhaupt, ob Du Tims Vater bist? Vielleicht ist es ja Dein Bruder oder irgend ein Bursche aus dem Dorf?!“
Kev empfand in diesem Moment große Abscheu vor seiner Mutter. Wie diese immer wieder versuchte, seine Frau zu diskreditieren, obwohl Sonja die Familie zusammenhielt und die Unausstehliche mit einbezog.
„Nein, ich weiß es nicht! Aber es gab eine Zeit, da hätte ich meine Hand für sie ins Feuer gelegt! Da haben wir uns geliebt und unser Glück besiegelteTims Geburt! Und darum vertraue ich ihr voll und ganz! Tim gehört zu uns! Außerdem ist Sonja die liebevollste Mutter, die ich kenne! Ich hätte auch liebend gern so eine gehabt!“

Agatha schnappte nach Luft, so empört war sie über diesen Satz aus dem Munde ihres Lieblingssohnes!
„Ich hätte mein letztes Hemd für Euch gegeben! Und niemals war ich so umtriebig, wie Deine Frau!“
„Dein Verständnis hätten wir gebraucht, nicht Dein letztes Hemd! Und vielleicht wären wir nicht so verklemmt aufgewachsen und würden nicht so viele Fehler in der Liebe machen, wenn Du und Vater umtriebiger gewesen wärt!“
Agatha fehlten die Worte. Wie konnte dieser Bengel nur so undankbar sein! Nach allem, was sie für ihn getan hatte! “Dein Sohn ist ein Bastard und gehört in eine Anstalt!“ Spie sie ihm die Worte ins Gesicht und rannte fluchend ins Haus.
Sonja stand hinter der Gardine ihres Zimmers und hatte jedes Wort mit angehört. Ihre Beine zitterten wie Espenlaub. Sie mußte sich setzen, um das Gehörte zu verdauen. Noch nie hatte sich ihr Mann so für Tim und sie ins Zeug gelegt. Er hatte mutig seiner Mutter die Stirn geboten, wo er ihr doch lieber auswich, weil er nie wußte, wie er sich wehren sollte. Was war mit ihm geschehen? Noch dazu, wo er sich nicht sicher sein konnte, ob Tim wirklich sein Sohn war…

 

16. Eine letzte Liebesnacht?

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16. Eine letzte Liebesnacht?

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Die Nacht war hereingebrochen und es wurde still im Haus. Draußen schien der Mond durchs Fenster und Sonja zog ein Nachthemd an, welches wie zarter Feenstaub auf ihrer Haut lag. Die Luft streichelte sie dort, wo keine Spitze sie berührte. Leise ging sie die zwei Etagen hoch zu Kev’s Zimmer unterm Dach. Sie hörte keinen Laut. Ob er wohl schlief? Behutsam öffnete sie die Tür. Seine Silhouette hob sich im Schein des Mondes vor dem Fenster ab. Er drehte den Kopf zu ihr und sein trauriger Blick zerriss ihr fast das Herz. Sie ging auf ihn zu und beide erblickten die tiefen Wunden des anderen in dessen Augen. Sonja streichelte Kev’s Gesicht und strich ihm das Haar aus der Stirn. Er führte zärtlich ihre Hand zu seinem Mund und bedeckte sie mit tausend Küssen.
„Ich habe Dich vom ersten Moment an geliebt und werde Dich immer in meinem Herzen behalten. Auch wenn es nicht jeden Tag so aussieht!“

„Ich weiß“, antwortete Sonja unter Tränen, weil sie so gerührt war von diesem seltenen Augenblick wirklicher Innigkeit zwischen ihnen beiden.
Sie zog ihn zum Bett und spürte seinen nackten Körper als er sich über sie beugte. Beide umarmten sich wie zwei Kinder, die der Dunkelheit entfliehen wollten. Seine heißen Hände glitten unter ihren zarten Stoff und streichelten ihren warmen Körper, der ihn willkommen hieß. Während sie sich küßten, wie zwei Ertrinkende, spürte Kev, dass sein kleiner Freund größer wurde und sich nach Sonjas Schoß sehnte. Er vergaß alles, was sie trennte, was passieren würde und ließ sich fallen. In Sonjas Armen konnte er das, durfte er das. Sie war die einzige Frau gewesen, die ihn immer so geliebt hatte, wie er war mit all seinen Macken. Noch nie hatte er eine so tiefe Verbundenheit zu ihr gespürt, wenn sie des Nachts zusammen waren. Sie erlebten ihren Höhepunkt gemeinsam in tiefer Harmonie und Dankbarkeit für einander. Zum ersten Mal hatte Kev das Gefühl, wirklich abzuheben und über der Erde zu schweben.
Es war ihm in diesem Moment egal, wer Tims Vater war. Er spürte gerade ein nie gekanntes Glücksgefühl mit einem Schmerz vermischt, als wüßte er instinktiv, dass sein altes Leben nun vorbei war und sein neues beginnen würde und das machte ihm Angst…

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17. Mit Bob allein

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17. Mit Bob allein

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Sonja konnte nie lange in Kev’s Armen liegen, weil er so unruhig war im Schlaf. Sie stand leise auf und ging nach unten, um sich etwas Wasser zu holen. Da sah sie das Licht in der Bibliothek und ging nachsehen, wer dort noch las.
Bob saß mit einem Buch in seinen Lieblingssessel eingekuschelt wie zum Schutz vor der dunklen Welt da draußen. Als er Sonja spürte, sah er sie aufmerksam an. In seinem Blick war nie ein Vorwurf oder ein Urteil, immer nahm er nur das Gute in seinem Gegenüber wahr. Und auch jetzt, wo sie zu ihm trat und er nicht auf ihr durchsichtiges Hemd sah, sondern nur in ihre Augen, um zu forschen, ob sie etwas von ihm brauchte, fühlte sie sich schuldig als hätte sie ihn verraten.
„Ich war bei ihm – ein letztes Mal. Ich habe es in seinen Augen gesehen. Er weiß es.“
Bob war sich nicht im Klaren, was Sonja gerade meinte. Er roch ihren Intimduft, der ihm verriet, dass sie Sex hatte – mit ihrem Mann, seinem Bruder.
Er spürte, dass etwas Endgültiges geschehen war. Das schmerzte ihn, aber gleichzeitig wußte er, dass sie das Richtige für Tim tun würde. Was immer sie auch vorhatte, er würde für sie da sein, ob als Geliebter oder Freund…
Im Hinausgehen bemerkte er ihre weichen Rundungen unter dem zarten Stoff und ein unterdrücktes Stöhnen entrang sich seiner Brust. Wie lange würde er es wohl noch aushalten, ihr hinterher zu sehen und nicht in seinen Armen halten zu dürfen? Sie hatte noch Kev’s Geruch an sich. Würde sie ihn wirklich verlassen? Bob liebte Sonja seit er ihr Lachen kannte. Als Kev sie das erste Mal betrogen hatte, waren sie wie durch ein Wunder zusammen gekommen. Er konnte sich noch immer daran erinnern, wie sich ihre nackte Haut im Gras anfühlte, wie sanft und zärtlich Sonjas Lippen waren… Sie war damals schon zu sehr Kev’s Gefangene und konnte sich nicht mehr aus diesem magischen Geflecht von erotischer Anziehung, Angst und Annehmlichkeiten befreien – also verließ sie ihren Ehemann nicht. Tim wurde geboren und alles schien sich zum Guten für die beiden zu wenden. Sonja hatte nie wieder bei Bob Trost gesucht. Nur als Schwager und als Onkel ihres Sohnes sprach sie ihn an. Dabei sehnte Bob sich nichts sehnlicher als für Tim ein liebevoller Vater zu sein und für Sonja eine starke Schulter zum Anlehnen. Aber vielleicht hatte Kevin ja Qualitäten, die Bob nicht besaß…
Er mußte es endlich wissen, ob sie ihn genauso wollte, wie er sie! Bob hatte eine gute Chance. Schließlich hatte sie gerade gesagt: ‘Ich war bei ihm – ein letztes Mal!’
Und was meinte Sonja mit dem Satz: ‘Er weiß es!’?
War Kevin nicht Tims Vater? War er, Bob, es am Ende selbst?

 

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18. Was war geschehen?

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18. Was geschehen war…

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Sonja verbrachte die restliche Nacht im Halbschlaf und hatte von Bob und Kev geträumt, wie sie abwechselnd mit beiden schlief. Ihre Leiber verschmolzen ständig mit einander. Sie mußte den Traum abschütteln und endlich Agatha ihren morgendlichen Tee ans Bett bringen. Im Raum zog Sonja als erstes die Vorhänge zurück, um besser sehen zu können.
Als ihr Blick auf das verzerrte Gesicht im Bett fiel, kam es Sonja so fremd vor.
Ihr Herz schien für einen Moment auszusetzen bis sie begriff, dass ihre Schwiegermutter nicht mehr lebte…
Sie registriere alles wie unter einer Lupe. Neben dem Bett stand eine Kanne mit Tee, der aus getrockneten Blüten und Blättern bestand. Sir roch daran und es war kein unbekannter Duft dabei. Der erstaunte Blick in Agathas eingefallenem Gesicht verriet, dass sie mit ihrem Ende noch nicht gerechnet hatte. Agatha war gestern Abend im Zorn auf ihr Zimmer gegangen. Hatte sie sich noch mit Kevin versöhnen können? Ganz zu schweigen von einem Lebewohl für alle… Sonja überlegte, wo ihre eigene Traurigkeit herkam und stellte fest, sie vermisste eine warmherzige Schwiegermutter, die ihr hätte zur Seite stehen wollen…
Agatha mußte noch nachts in der Küche gewesen sein, um den Tee zu kochen oder hatte ihr jemand anderes den Tee gebracht? Sonja kroch die Angst in den Nacken und sie sprang auf, um in Roses Zimmer zu eilen. Ohne anzuklopfen, platzte sie in eine Liebesszene hinein. Erschrocken verschwand Mac unter der Decke, während Rose losprustete.
„Es tut mir wirklich leid! Das ist sonst nicht meine Art, Mac! Aber Rose, Du mußt sofort mitkommen! Es ist etwas Furchtbares passiert!“
Rose, die ein schlechtes Gewissen plagte, weil sie ihrer Schwester gestern nicht beim Abwaschen geholfen hatte, fragte, ob es Tim gut ginge.
„Ja, um ihn geht es nicht! Es ist Agatha, der was fehlt!“
Sofort war Rose auf den Beinen und in ein Kleid geschlüpft. Beide Schwestern flogen über die Treppe zu Agathas Zimmer. Rose fasste sich vor Schreck an den Mund als sie den leblosen Körper sah. „Hatte sie einen Herzanfall heute Nacht?“ Doch dann bemerkte sie den Tee und untersuchte den feuchten Rest. “Das sieht aus, wie der Kräutertee aus der Küche unten im Schrank! Meinst Du, sie hat aus Versehen giftige Kräuter genommen?”
“Wie denn? Agatha ging doch nie selber sammeln!” Stellte Sonja entschieden fest.
“Oder glaubst Du etwa, jemand wollte sie vergiften?”, überlegte Rose laut. “Aber wer würde so etwas Schreckliches tun?” Wir alle hätten einen Grund gehabt, antwortete Sonja ihr im Stillen. Waren denn ihre Motive so stark?
Mittlerweile war das ganze Haus auf den Beinen, außer Tim, versammelten sich alle um Agathas Bett und starrten auf ihren steifen Körper.
Kevin schüttelte unentwegt seinen Kopf, als könne er es nicht glauben. Bob stand am Fenster und beobachtete jeden einzelnen von ihnen. “Wir müssen etwas tun.”

“Das hab ich schon. Sergeant Stone ist auf dem Weg hierher”, meinte Mac mit kleinlauter Stimme. Die anderen sahen ihn fassungslos an. Wie konnte er es wagen, sich in ihre intimsten Familienangelegenheiten einzumischen?
Rose rief entsetzt: “Was hast Du getan?”, und rückte ein wenig von ihm ab. Mac putzte sich umständlich seine Brille, was er immer tat, wenn er unsicher war.
”Er ist mein Onkel und rief gerade bei mir an. Da ist es mir so ‘raus gerutscht! Tut mir echt leid! Ich wollte Euch keine Schwierigkeiten machen!” Versuchte er um Verständnis zu bitten, aber niemand erfüllte ihm diesen Wunsch. Selbst Rose schien ihn gerade nicht zu mögen…

 

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19. Sergeant Stone

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19. Sergeant Stone

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Endlich war er mit den Zeugenbefragungen durch. Die Spusi hatte Proben, Fingerabdrücke und alles mögliche Beweismaterial mitgenommen und nun trat etwas Ruhe ein. Das waren ihm die liebsten Momente, weil dann die meisten Menschen viel leichter über ihre Gefühle redeten. Außerdem konnte es wirklich sein, dass die alte Dame an Herzversagen gestorben war. Zumindest hatte er schon von ihrem Hausarzt die Bestätigung erhalten, dass sie deshalb Medikamente nahm.
Niemand hier im Haus schien das alte Mädchen wirklich zu vermissen. Stone erinnerte sich noch gut, als er ein Teenager war, hatte sie ihn und seine Kumpels mit ihren Kofferradios oft verscheucht als hätten sie allesamt eine ansteckende Krankheit gehabt!
Er ging seine Notizen durch, während er einen Cappuccino trank, den Sonja ihm zubereitet hatte. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals als sie vorhin die Tür öffnete und er fuhr sich verlegen durch sein rötliches Stoppelhaar. Seine grünen Augen blieben jetzt auf ihrem Antlitz hängen und versuchten sie zu ergründen. Ihre schlanke Figur mochte er schon in der Schule. Er hielt nichts von allzu üppigen Frauen. Was fand sie nur an Kevin, diesem arroganten Kerl? Schon in der Schule hatte der ein großes Maul, während sein Bruder immer sehr ruhig blieb und alles im Griff hatte…
‚Sie werden zusammenhalten, wenn’s drauf ankommt‘, dachte Stone, ‚da hab ich kaum ‘ne Chance oder vielleicht doch? Mac ist in die kleine Rose verliebt, wer weiß?‘
Stone mußte schmunzeln, weil er sich an etwas erinnerte, was er längst verdrängt hatte. “Du hast an unseren ersten Kuß gedacht. Nicht wahr?”, fragte ihn Sonja lächelnd. “Wir waren so ungestüm”, meinte sie etwas verlegen. “Du hast mich in die Zunge gebissen.”
“Weil ich es nicht besser wußte!”, verteidigte er sich. Sie saßen nachts auf einer Bank im Park. Warum wollte sie gerade ihn? Wo sie doch jeden haben konnte! Seine Gedanken verweilten bei jenem Augenblick. Sie hatte schon Erfahrung und führte ihn in die Kunst des Liebemachen ein…
Hatte sie gerade versucht, ihn zu beeinflussen? Er schaute in ihre gütigen Augen, die schon vieles erlebt hatten. Die kleinen Fältchen drum herum verrieten ihm, dass es nicht nur Schönes war.
Sonja mochte seine Aufrichtigkeit. Sie fand seine Stärke schon immer anziehend. Wieso hatte sie sich bloß für den bad boy entschieden?
“Danke, dass Du Tims Zimmer ausgelassen hast. Er kann nicht damit umgehen, wenn ein Fremder oder wir an seine Sachen gehen. Das versteht er nicht.”
Wenn der Doc doch noch Gift im Körper der alten Dame findet, müßten sie eh noch mal vorbeikommen. “Schon gut, Sonja”, meinte Stone und stand auf, um sich zu verabschieden.
Ihre Lippen waren den seinen jetzt ganz nah. Heute Nacht hatte ihr Mann sie spüren dürfen. Er wußte aus eigener Erfahrung, was sie damit alles anstellen konnte… Und er würde es nie wieder erfahren! Wollte er, dass es Mord war? Wollte er ihren Ehemann aus dem Weg haben?

 

20. Brüder unter sich

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20. Brüder unter sich

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Bob und Kevin warteten in der Bibliothek auf Sonja. Bob, der sonst die Ruhe in Person war, sah sie beunruhigt an. “Wir konnten uns gar nicht mehr absprechen, bevor Stone kam. Gab es irgendwelche Probleme mit ihm, wegen Tim?”
Es war typisch für Bob, für sie und die anderen zu sorgen, ohne sich um das eigene Wohl zu kümmern. Sonja nahm den Whiskey dankbar von Kev entgegen und setzte sich auf die Couch. “Nein. Wir haben über alte Zeiten geplaudert.” “Das ist gut, das lenkt ihn ab. Wie gut kanntest Du ihn eigentlich?”, fragte Kevin mißtrauisch. Sonja sah ihn nur stumm an. Er kannte diesen Blick. Dann war nichts aus ihr herauszuholen, aber ihm lag noch etwas auf der Seele. “Du warst noch mal in der Bibliothek bei Bob, nachdem Du mich verlassen hast gestern Nacht…”, forderte er seine Frau heraus.
Bob stöhnte laut auf, weil er die ewige Eifersucht seines Bruders nicht mehr ertrug. Wie ein Kind, dem man sein Spielzeug weggenommen hatte, dass er quengelnd zurückforderte, so führte sich Kev auf.
“Ja, ich wollte mir Wasser holen und war kurz bei Bob in der Bibliothek. Dachtest Du, ein Mann sei mir des Nachts nicht genug?”, fragte Sonja unheilvoll. Kev zog lieber den Schwanz ein, wenn sie so drauf war. Er ging vorsichtshalber in Deckung am Fenster. “Ich hab’s nicht so gemeint! Ich weiß ja, dass Du meinen Bruder nie angefasst hast seit Tim da ist! Aber was war davor? Hat er Dich nicht getröstet, wenn ich mal ein böser Junge war?”
Bob wollte gerade auf Kevin losgehen als Sonja ihm zuvorkam. Sie stand jetzt ganz dicht vor ihm, so dass ihre Gesichter sich fast berührten. Von ihrem Körper ging eine Hitzewelle aus. Kev glaubte, sie könne ihn verzehren, wenn Sonja, diese Hexe, es nur wollte. “Damit Du es endlich weißt und Ruhe gibst! Ja, ich habe mich von Bob trösten lassen – ein einziges Mal – als Du Besseres zu tun hattest! Aber glaube mir, ich habe dafür tausendfach bezahlt!” Dann rannte sie mit hochrotem Kopf aus dem Zimmer.
Kev sackte in sich zusammen und fühlte keine Erleichterung nur Schmerz. Tränen rannen ihm über’s Gesicht. Er konnte sich nicht erinnern, je so geweint zu haben. Vielleicht als Kind das letzte Mal… Warum traf es ihn so quälend, dass die beiden zusammen waren? Hatte er Sonja nicht hundert Mal mehr betrogen? Im Grunde wußte er es. Bob hatte Sonja sein ganzes Leben lang aus tiefster Seele geliebt, wozu Kev nie im Stande war. Wenn er mit Sonja schlief, gab es nur diesen einen flüchtigen Moment der Innigkeit. Dass Bob seine wahren Gefühle Sonja in einem solch intimen Moment hatte offenbaren dürfen, ertrug Kevin nicht.
Bob sah, wie sein Bruder litt, aber er konnte ihm nicht helfen und wollte es auch nicht. Kevin mußte lernen, Gefühle auszuhalten, auch wenn sie einen innerlich auffraßen. “Was wirst Du nun tun? Willst Du einen Test haben, wegen Tim?”
Kev lachte hysterisch auf: “Das hättest Du wohl gerne! Mich auch noch öffentlich bloßstellen und Dir die Lorbeeren angeln! Es war MEIN Samen, der sie geschwängert hat! Merk es Dir gut!”
Bob nahm seinen Kopf in beide Hände und meinte versöhnlich: “Ist es nicht egal, wer es von uns war? Wenn es Tim nur gut geht und Sonja glücklich ist?”
Kev sah hinaus in die Wolken, die sein Sohn so gerne fotografierte. “Mutter hätte Sonjas Geständnis gefallen, meinst Du nicht auch?”, grinste Kevin seinen Bruder an.
Bob mußte ebenso schmunzeln. “Es ist gut, dass sie damit keinen Schaden mehr anrichten kann. Ich möchte, dass Du weißt, ich wollte Dich damit nie verletzten, Bruderherz. Sie war so entsetzlich unglücklich!”
“Und verletzlich! Was Dir in Deinen Kram passte!” Kev ließ seinen Bruder nicht zu Wort kommen. “Das war kein Vorwurf, nur eine Feststellung von meinem Ego! Es war Deine Chance, ihr zu zeigen, wie sehr Du sie wirklich liebst!”
Bob rutschte auf den Boden. Er fühlte sich so elend. Sein Bruder hatte ihn erkannt und die Frau, die er so sehr liebte, wollte ihn vielleicht jetzt nicht mehr…

 

21. Kräuteralarm

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21. Kräuteralarm

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Rose und Sonja unterhielten sich leise in der Küche. Sie wollten nicht, dass die Männer sie hörten. “Also, hier im Schrank ist ganz normaler Tee. Davon kann ihr nicht übel geworden sein”, stellte Rose sachlich fest. Sonja hatte das Gefühl, dass Rose sich schuldig fühlte, weil es um IHRE Kräuter ging. “Rose, Engel, hast Du irgendwo noch andere Kräuter aufbewahrt als diese hier?”
Wenn Sonja ihre kleine Schwester so eindringlich musterte, wußte Rose, dass sie nie lügen konnte. Ihr schwarzes Haar verdunkelte ihr Gesicht, damit Sonja ihr nichts anhaben konnte. Sonja kannte nur zu gut die Verdrängungsmechanismen ihrer Schwester. Schließlich hatte jeder Mensch seine, um sich zu schützen. “Rose, es ist besser, Du sagst es mir jetzt als Stone später.” Die schwarzen Haare teilten sich und Rose große Augen blickten angstvoll schräg nach oben zur Decke. “Heißt das, Du hast noch andere auf dem Boden? Von denen ich nichts weiß?”
Rose nickte schnell und lief voran auf den Dachboden.
Sonja sah blaue Blüten an Stengeln von der Decke hängen, die sie nicht kannte. Sie schnupperte daran. Die Wurzel roch eindeutig süßlich. “Was ist das, Rose?”
“Ich wollte es Dir schon erzählt haben, aber durch die vielen Dinge, die jetzt so passiert sind, habe ich es völlig vergessen! Es ist der blaue Eisenhut! Ich experimentiere gerade in meinem Labor damit.” Gerade wollte Rose erklären, was sie alles damit bezweckte als Sonja dazwischen rief: “Wir waren uns doch einig – keine giftigen Pflanzen hier im Haus! Es können immer Verwechslungen auftreten und jetzt haben wir den Salat!” Sonja überlegte rasch. “Waren die Leute von Stone hier oben?” Rose nickte nur. “Dann haben sie Proben mitgenommen. Wollen wir hoffen, dass es nicht Dein Eisenhut war!”
“Aber keiner weiß davon, dass er hier ist!” “Woher willst Du denn wissen, dass Agatha nicht selbst hier oben war und ‘rumgeschnüffelt hat! Das macht sie doch zu gerne, ihr Eigentum zu kontrollieren!” “Machte sie gerne…” korrigierte Rose ihre große Schwester.
“Wir müssen Tim fragen, ob er hier oben war und was genommen hat!” “Du glaubst doch nicht im Ernst, dass er so was machen würde!”, erwiderte Rose entsetzt. “Nein, natürlich nicht, aber wir müssen auf alles vorbereitet sein! Schließlich wissen wir noch nicht, woran sie gestorben ist!” Rose nickte ihr zustimmend zu. Wie immer, wußte Sonja was zu tun war…
Tim sah die beiden Frauen nicht sehr begeistert an. Der ganze Morgen war schon aus dem Ruder gelaufen. Sein Frühstück stand nicht wie gewohnt auf dem Tisch. Dann liefen viele fremde Menschen in ihrem Haus herum, auch wenn sie ihn in Ruhe ließen. Ein wenig hatte er bei der Spurensicherung zugeschaut. Die technischen Geräte interessierten ihn, aber er traute sich nicht, nachzufragen. Und jetzt auch noch Sonja und Rose! Was wollten die von ihm? “Tim, warst Du in der letzten Zeit auf dem Dachboden und hast da was weggenommen?” fragte seine Mutter ihn vorsichtig. Ihre Stimmlage beunruhigte ihn mehr als der Inhalt ihrer Frage: “Nein, ich gehe nie auf den Dachboden. Dort kenne ich mich nicht aus. Rose geht häufiger nach oben, dann höre ich ihre Schritte und zähle sie. Sie braucht mindestens 256 ehe sie wieder herunterkommt.” Beide Frauen sahen ihn mit großem Erstaunen an.
“Agatha ging manchmal auch hinauf. Immer Mittwochs, wenn ihr beiden im Geschäft wart. Aber sie blieb meistens nur 60 Schritte lang oben. Dann kam sie wieder herunter.” Sonja hielt ihren Atem an: “Hat sie auch Kräuter von oben geholt?” “Ja.” “Auch vor zwei Tagen?” “Ja.”

 

22. Im Labor

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22. Im Labor

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Rose packte Glasviolen aus, die gerade angekommen waren. Sie hörte, wie Tim im Labor hinter ihr etwas umstieß. Gerade als sie zu ihm gehen wollte, schellte die Ladenglocke und Mac stand in der Tür. Er trat verlegen von einem Bein auf das andere, weil er sich nicht herein traute. Sein Haar stand wirr vom Kopf ab als hätte er sich nicht mal die Zeit zum Kämmen genommen und sein Hemd hing halb aus der Hose. So kannte Rose ihn gar nicht. Rose hatte die letzte Nacht kaum geschlafen, so viel ging ihr im Kopf herum. Sie hatte geträumt, wie Tim den blauen Eisenhut im Garten pflückte und davon kostete. Es war grauenvoll! Als Mac noch immer auf ein Zeichen von ihr wartete, mußte sie schmunzeln. Mac sah aus wie ein unbeholfener Welpe, der darauf wartet, dass man ihm seine Dummheit verzeiht. Sie lächelte ihn an und nickte ihn herein. Sofort schloss Mac die Ladentür und trat langsam auf Rose zu: “Ich möchte, dass Du weißt, es tut mir unendlich leid! Ich habe in dem Moment nicht an die Folgen gedacht, nur an die Wahrheitsfindung!”
“Manchmal muß die Wahrheit warten, wenn es um die Menschen geht, die einem lieb und teuer sind”, entgegnete ihm Rose.
“Ich könnte nicht lügen bei so einer Sache. Außerdem sieht man mir so ‚was an…”, überlegte Mac laut.
“Vielleicht geht es gar nicht um’s Lügen, sondern um Loyalität. Würdest Du zu uns halten, zu mir, wenn es hart auf hart kommt?”, fragte Rose ihn eindringlich.
“Natürlich würde ich das! Ich würde alles für Dich tun, liebste Rose!” und dabei nahm er sie bei den Händen und sah ihr in die Augen. Sie erkannte seine Aufrichtigkeit darin, aber auch seine Naivität und Unerfahrenheit. “Gut. Wir werden sehen. Als erstes versprich mir, dass Du Deinem Onkel nichts über uns erzählst!”
“Aber wenn er mich etwas fragt, muß ich doch antworten!” “Ja, natürlich, aber Du mußt ja nicht so viel sagen. Denke erst nach, bevor Du redest!” Damit konnte Mac leben, ohne sich zu verbiegen. Beide waren froh, dass sie eine Lösung gefunden hatten und umarmten sich liebevoll. “Ich konnte nicht schlafen, wegen gestern. Ich hatte Angst, Du liebst mich nicht mehr”, flüsterte Mac in Rose’ Haar. “Ich weiß, was Du meinst. Mir ging es ebenso.” Ein erleichterter Seufzer entrang sich seiner Brust. Seine Lippen suchten die ihren. Ihr Kuss schmeckte das erste Mal nach Traurigkeit.
Tim stand in der Tür zum Labor und beobachtete die Beiden. Er konnte sich nicht vorstellen, mit einem fremden Menschen seine Spucke auszutauschen.
Sonja meinte, es ginge nicht nur darum, sondern um die Gefühle, die man für diesen Menschen hätte. Tim liebte seine Familie auf seine Art, aber würde er wissen wollen, wie ihre Spucke schmeckt? Niemals! Er klopfte auf das Holz neben ihm und sofort lösten sich die beiden verstört voneinander.
“Oh, Tim! Entschuldige bitte, ich hatte Dich ganz vergessen”, meinte Rose entschuldigend und strich sich das Haar aus der Stirn. “Ich muß noch was nachsehen im Labor, dann können wir wieder gehen.” Tim nickte und machte die Tür frei. Rose, gefolgt von Mac betraten das Labor. Auf dem Tisch standen ein paar Geräte, die Mac nicht kannte, aber er wußte von Rose, dass sie damit Pflanzenteile untersuchte und homöopathische Extraktionen herstellte. Auf einem anderen Tisch standen viele Violen in unterschiedlichen Größen mit farbigen Aufklebern. “Was bedeuten die verschiedenen Farben?”, wollte Mac interessiert wissen. “Die roten sind für die Heilung und die blauen haben kosmetische Wirkung. Ich experimentiere gerade ein wenig herum damit.” “Hast Du auch den blauen Eisenhut hier, Rose?”, wollte Tim wissen. Erschrocken fuhr Rose zu ihm herum: “Woher weißt Du das?” “Ich habe ihn in Deinem neuen Buch gesehen.“ “Ich habe ihn nicht aus den Augen gelassen als ich ihn verarbeitet habe!”, verteidigte sich Rose aufgeregt. “Ja, das stimmt.”, meinte Tim bestätigend. Mac war immer wieder erstaunt darüber, wie distanziert und überlegt Tim die Dinge sah, wenn sie ihn nicht überforderten. “Dann ist doch alles gut”, meinte Mac beruhigend.

23. Es war Gift!

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23. Es war Gift!

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Stone saß in seinem Lieblingscafé und trank einen Soja-Cappuccino. Seit seine Frau ihn verlassen hatte, drückte ihn sein Magen des öfteren schwer. Seine Tochter empfahl ihm daraufhin, sich schonender zu ernähren. Er mußte ihr Recht geben, ohne Milchprodukte schlief er besser und seine Verdauung bereitete ihm kaum noch Probleme. Doch das wirkliche Problem saß ganz wo anders und das wußte Stone nur zu gut. Er hatte seine Frau betrogen. Nur das eine Mal, aber einmal zu viel…
Es plagte sie alle dieser schreckliche Fall von Kindesentführung und er mußte dabei ständig an seine kleine Schwester denken, der das gleiche widerfahren war. Danach war nichts mehr wie früher…
Seine Eltern lebten nur noch in Trance, seine Schwester mußte in eine Anstalt und er verstand die Welt nicht mehr.
Als ihn die Erinnerungen einholten, bei diesem gräßlichen Fall, war er plötzlich zusammengebrochen und seine Partnerin war zur Stelle. Seine Frau warf ihm später vor, dass sie gerne für ihn dagewesen wäre! Doch diese schrecklichen Gefühle, die dadurch wieder ans Licht kamen, die er glaubte, gut verschlossen zu haben, hätte er ihr nicht zeigen können, ohne sich zu verlieren in einem Geflecht aus gewalttätigen und wahnsinnigen Ideen…
Seine Partnerin verstand ihn, schließlich hatte sie ebenfalls in den Abgrund des Entführers geschaut. Nur sie konnte ihn in diesem Moment halten und die bösen Geister wieder vertreiben. Dafür war er ihr unendlich dankbar, aber sie wußten beide, dass damit ihre Zusammenarbeit beendet war.
Er mußte wieder an Sonja denken. Sie war seine erste große Liebe und jetzt Ehefrau und Mutter. Wenn sie sich von diesem Kevin trennen sollte, würde er sein Glück versuchen. Er war immer mal wieder bei ihr im Laden, um etwas zu kaufen, was er dann seiner Tochter schenkte. Die sich jedes Mal köstlich amüsierte, weil ihr alter Herr keine Ahnung von diesen Dingen hatte!
Doch nun mußte er Sonja die schlechte Nachricht überbringen, dass in Agathas Körper Gift gefunden wurde, unter anderem Aconit. Er ging seine Notizen durch und fand die Aussage der Spusi, dass sie unterm Dach blauen Eisenhut in getrockneter Form vorgefunden hatten. Er würde vorerst verschweigen, was die Ursache war…
Wer weiß? Vielleicht verriet sich ja einer aus der Familie? Dieser Kevin? Aber welches Motiv könnte er haben? Hatte die Alte etwas gegen ihn in der Hand? Sie mußten schleunigst Agathas Wohnung und den Laden unter die Lupe nehmen. Das Zimmer von Tim konnte er jetzt auch nicht mehr auslassen…
Schweren Herzens packte er seine Sachen ein und ging geradewegs zu den beiden Kräuterhexen, wie er sie liebevoll in Gedanken nannte…

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24. Bei den Hexen

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24. Bei den Hexen

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Happy Birthday

 

Sergeant Stone fühlte sich unwohl zwischen Sonja und Rose in ihrem Laden. Das war ihr sicheres Terrain und er spürte ihre weibliche Power. Oder war es Magie? Er schüttelte den Gedanken ab, straffte seine Schultern, räusperte sich mit tiefer Stimme als wolle er sich so selber Mut machen. “Fehlt etwas im Labor, mit dem man jemand vergiften könnte?” Er formulierte seine Frage extra unpersönlich, um niemandem direkt Schuld zu geben.
Sonjas Blick machte ihm besonders zu schaffen. Sie schien ihn mit ihren Kräften festzuzurren, so dass er kaum noch atmen konnte. Die großen Augen der kleinen Rose hingen vertrauensvoll an seinen Lippen. Konnten solche Augen lügen? Stone war sich der aufgeladenen Energie hier im Raum bewußt und fing an zu schwitzen.
“Darf ich Dir einen Tee anbieten?”, fragte ihn Sonja mitfühlend. “Nein, danke!”, kam es von Stone etwas zu barsch. “Hast Du Angst, wir wollen Dich vergiften?”, fragte ihn Sonja lächelnd.
“Ich könnte Ihnen ein Mittel geben, gegen Ihre Sorgen!”, schlug Rose vor und suchte schon zwischen ihren Fläschchen nach dem richtigen…
“Woher willst Du denn wissen, was ich brauche?”, fragte Stone schon versöhnlicher. “Nun, sie kann es in Deiner Aura sehen”, meinte Sonja augenzwinkernd, “aber wenn Dir das zu esoterisch ist, SIE weiß es einfach!”
Stone fühlte sich nicht wohl in seiner Haut, war er doch eigentlich hier, um den beiden auf den Zahn zu fühlen… “Sie brauchen Natrium Chloratum.” “Wofür ist das?” fragte Stone vorsichtig.

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Happy Birthday

“Gegen langanhaltenden Kummer…”, erklärte ihm Sonja mit traurigen Augen. “Zum Beispiel, wenn wir einen Menschen verloren haben, oder bei Liebeskummer, der nicht vergeht…” Hier hielt sie inne, weil sich in Stones Gesicht der Schmerz abzeichnete. Er schloss gequält seine Augen und senkte den Kopf.
Sonja hob sein Gesicht an und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Da floss der Strom seiner unterdrückten Tränen endlich aus ihm heraus.
Sonja steckte ihm zaghaft ein Globuli zwischen die Lippen. Er spürte ihre Finger auf seiner Haut und es gab ihm das Gefühl, befreit zu sein von einer zentnerschweren Last…
“Es kann sein, dass die Traurigkeit noch mal stärker wird, aber der Kummer wird vergehen und an seine Stelle wird die Erkenntnis kommen.”
Er hörte Roses Worte wie aus einer fernen Galaxie und nickte nur.
Der Tee, den Rose ihm eingoß, duftete nach Sommer. “Jasmin, für Ihr Herz”, meinte sie schlicht. Schon der erste Schluck gab ihm ein Gefühl von Wohlbefinden und er spürte seine Kräfte wiederkehren…
“Habt Ihr in Eurem Labor etwas Ungewöhnliches bemerkt? Fehlt etwas?” fragt er, nun schon wieder ganz im Hier und Jetzt angekommen.
Rose sah kurz zu Boden und antwortete ihm, wie auswendig gelernt: “Tim hat gestern etwas fallen lassen. Ich weiß nicht genau, was es war.”
Stone stand auf und ging in das Labor mit den Frauen. Er bemerkte die unterschiedlichen Etiketten auf den Gläsern. Rose erklärte ihm genau, was sich in den einzelnen Kolben befand. “Das heißt, man könnte die Etiketten auch austauschen? “Ja”, stimmte ihm Rose zu.
“Können diese Konzentrationen, zum Tode führen?” Diesmal antwortete ihm Sonja: “Rose experimentiert gerade mit dem blauen Eisenhut.”
“Was heißt das genau?” “Das Konzentrat mit dem roten Aufkleber, welches sie zur Heilung verwendet, könnte, wenn man es oral einnimmt, tödlich sein. Es ist für Injektionen in verdünnter Form bestimmt. Aber es stand nicht einfach so herum! Welcher Dummkopf greift sich so was?!”
Jetzt war Stones Gesicht ganz nah an ihrem: “Oder welcher Schlaue hat es sich zunutze gemacht?”

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25. Ein Haus voller Motive

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25. Ein Haus voller Motive

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In Agathas Wohnung hatten sie einen privat angeforderten Laborbefund zu Haarproben gefunden, der besagte, dass die DNA zwar von ein und derselben Familie stammte, aber nicht unbedingt von Vater und Sohn. Wahrscheinlich, suchte die alte Dame nach einem Druckmittel. Gegen wen nur? Alle in diesem verdammten Haus hatten ein Motiv, Agatha aus dem Weg zu räumen! Stone schwirrte der Kopf. Sein Ansinnen, Sonja zu fragen, ob sie ihn haben wollte, schien sich in Luft aufzulösen, je mehr er über diese Familie erfuhr…
Er klopfte schweren Herzens an ihr Haus, um herauszufinden, was hier los war. Aber zuerst wollte er das Zimmer von diesem Jungen sehen. Selbst der besass einen guten Grund! Stone hatte selbst gehört, wie Agatha beim Bäcker andeutete, dass der Sohn ihrer Schwiegertochter eigentlich in ein Heim für Behinderte gehörte!
Und dieser Bob schaute ihm zu tief in Sonjas Augen! Vielleicht wollte er sie ja für sich haben und hatte deshalb seine Mutter aus dem Weg geräumt! So schwer war es Stone noch nie gefallen, Abstand zu einer Ermittlung zu halten. Wahrscheinlich, weil er selbst bis über beide Ohren verstrickt war…
Seine Frau hatte ihn gestern im Café entdeckt und sich mit ihm unterhalten, fast wie in alten Zeiten. Er war immer noch geschockt, von dem, was sie ihm erzählt hatte. “Ich weiß jetzt, was damals passiert ist. Ich habe mit Deiner Partnerin gesprochen. Sie hat es mir erklärt…” Mehr sagte sie nicht. Ihr Blick verlor sich in der Ferne. So als ob sie schreckliche Bilder dazu sah. Er war sprachlos und erleichtert zugleich gewesen. Bedeutete das ein Neuanfang für sie beide?

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26. Stone und Mac

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26. Stone und Mac

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Gerade kam sein Neffe Mac um’s Haus geschlendert – die Gelegenheit für Stone, ihm auf den Zahn zu fühlen, war gut. “Mac, lass uns ein paar Schritte gehen und erkläre mir, wie diese Familie funktioniert!”
Mac sah bestürzt zur Seite und rieb sich das Kinn beim Gehen. Im nahen Waldstück konnte er sich sichtlich entspannen. Stone wollte ihn nicht ängstigen und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Sieh mal, Mac, ich komme einfach nicht weiter. Was ist da nur los? Ich möchte sie alle verstehen! Ich konnte die alte Dame auch nicht leiden, aber ich muß wissen, ob es ein Unfall war!“
Mac schüttelte ungläubig den Kopf. „Ich kann nicht glauben, dass es etwas anderes war! Sie alle verstanden sich irgendwie und kümmern sich liebevoll um Tim! Die alte Lady machte hier und da einen Spruch, aber wer sollte sie deshalb töten wollen?“ „Jemand, der Angst hatte, dass ihre Worte wahr werden“, antwortete Stone. „Aber alle wußten, dies richtig einzuschätzen“, erwiderte Mac.
Stone dachte über das Gesagte einen Moment lang nach. „Und wenn sich die Situation auf einmal verändert hatte? Und es nun eine Bedrohung gab? Ich glaube, dass alle Familienmitglieder sich irgendwie miteinander arrangierten und wenn ein Glied in der Kette auf einmal eine andere Richtung einschlägt, zerspringt das Band und die neue Situation macht Angst, weil sich etwas verändern könnte. Was ist in den letzten Tagen Außergewöhnliches im Haus oder im Laden passiert?“
Schutzsuchend schlug sich Mac gegen die eigene Brust: “Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich Dir etwas erzählen könnte, was Rose und ihre Familie ins Unglück stürzten würde? Außerdem weiß ich gar nicht viel, da wir immer mit anderen Sachen beschäftigt waren. Wenn Du verstehst, was ich meine…“, beendete er den Satz nuschelnd.
Stone verstand sehr wohl, dass sein Neffe blind war vor Liebe und in welche Zwickmühle er ihn damit brachte. „Kannst Du mir denn irgend etwas erzählen, was Licht ins Dunkel bringt? Sieh mal, ich will ihnen doch nicht schaden!“
Ungläubig hörte Mac aus seiner Stimme einen bittenden Unterton. Seit sein Onkel von seiner Tante getrennt lebte, schaute dieser häufiger bei Sonja im Laden vorbei. Vorsichtig nickte Mac mit dem Kopf. „Willst Du Ihnen helfen, weil Du Sonja sehr magst?“
Stone wollte ihn nicht anlügen, aber als Gesetzesvertreter gab es nur einen Weg für ihn: „Ich möchte verhindern, dass Porzellan entzwei geht, aber ich muß auch meine Pflicht tun.“ „Verstehe“, meinte Mac, der nicht wirklich verstand.
„Es gab irgend einen Streit, ob Tim wohl Kevins oder Bobs Sohn sei. Agatha schrie herum. Es ging auch um eine Käseallergie dabei. Doch Kevin blieb cool und meinte, es bliebe ja eh in der Familie…“
Stones Nackenhärchen stellten sich auf, das war es, was er gesucht hatte. Es gab ein Motiv. „Und wie hat Sonja reagiert?“, versuchte Stone nebenbei zu erfahren, aber er hatte Angst vor der Antwort.
Mac überlegte kurz und meinte: „Gar nicht. Sie räumte das Geschirr ab und wir alle standen vom Tisch auf.“ Mac hatte das komische Gefühl, Rose verraten zu haben und blieb darum auf dem Rückweg stumm. Er wunderte sich überhaupt nicht, dass sein Onkel ihn in Ruhe ließ. Doch Stone wußte nun, was zu tun war. Er mußte noch einmal mit allem im Haus reden. Einzeln oder gemeinsam? Das war hier die Frage…

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27. Konkurrenten unter sich

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27. Konkurrenten unten sich

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Kevin rauchte stehend am Fenster als Stone bei ihm in der Bibliothek war. Beide hatten ein Whiskeyglas in der Hand und tranken zur Beruhigung, aber es half nicht viel. Stone ärgerte sich, dass er so angespannt war. Er wußte, warum und es gefiel ihm nicht, weil er Angst hatte, nicht objektiv genug zu sein. Würde ihm die Situation entgleiten, konnte er den Fall vergessen. Jedoch etwas in ihm ließ ihn Abstand nehmen, um alles wahrzunehmen, was wichtig war für diesen Fall. Er war sich noch immer nicht im Klaren, warum er das tat? Er war ein guter und ehrlicher Polizist, aber er wollte auch Sonja helfen. Nur konnte er das? Und wie weit würde er gehen, um sich nicht selbst zu verleugnen?
Ihr Ehemann holte ihn in die Wirklichkeit zurück. Als er zu reden begann, bemerkte Stone die dunklen Schatten unter seinen Augen. „ Ich weiß, dass Sie Sonja von früher her kennen und noch immer mögen. Damit sind wir hier schon zwei im Raum“, meinte Kev mit traurigem Blick und ohne Ironie in der Stimme. Stone hatte nicht damit gerechnet, dass Kev seine Gefühle zeigen würde. Etwas hatte ihn dazu bewogen oder jemand. Der Mann am Fenster hatte ein gebrochenes Herz. Das erkannte Stone an seinem verlorenen Blick und seinem müden Ausdruck. Sein Körper schien erschöpft zu sein von den vielen Kämpfen im Alltag oder in der Liebe?
„Meine Frau liebt einen anderen. Mein Sohn ist vielleicht nicht mein Sohn und meine Mutter ist tot.“ Kevin kicherte in sich hinein, während seine Zigarette verglimmte.
Stone beobachtete ihn, wie ein Insekt unter der Lupe. Der Mann hat Nerven, dachte er oder spielt er mir etwas vor? Kevin wischte sich indessen die Tränen aus den Augen und es war nicht ganz klar, ob sie vom Lachen oder Weinen kamen.
„Glauben Sie mir, wenn ich nicht schon so abgestumpft wäre, würde es mich umhauen, dass mir mein Leben entgleitet…“ Er nahm einen riesigen Schluck aus seinem Glas. „Aber ich bin selber Schuld! Darum nehme ich den Preis jetzt huldvoll entgegen!“ Er machte eine theatralische Verbeugung und kam torkelnd auf Stone zu.
Mit glasklarem Blick hielt er ihn im Bann als er überdeutlich sprach:“ Es ist mir egal, WER von uns Tims Vater ist! Er ist MEIN Sohn! Meine Mutter war eine gemeine Frau, aber hätte ich sie umgebracht? Niemals! Sie hat mir so schon genug Schuldgefühle eingepflanzt, mit denen ich klarkommen mußte! Aber das würde ich nicht überleben! Wenn ich die alte Dame auf dem Gewissen hätte, könnte ich nie wieder ruhig schlafen! Wenn Sie Sonja so sehr mögen, wie Ihre Augen es mir verraten, tun Sie nichts, was ihr wehtun könnte! Das habe ich schon zur Genüge getan, mein alter Freund. Beschützen Sie sie! Sie sind doch Polizist…“ Kev konnte nicht anders, er mußte über seinen eigenen Witz schmunzeln.
Stone war einen Moment sprachlos, dass Kev so ehrlich und schonungslos gegenüber sich selbst war. Immerhin machte er sich damit angreifbar oder war es Taktik?
„Sieht Ihr Bruder Bob das genauso wie Sie oder hasste er seine Mutter für ihre Einmischung?“
Kev schien sich erst sammeln zu müssen. „Das müssen Sie ihn selbst fragen. Da mein lieber Bruder alle Tugenden für sich allein beansprucht, nehme ich an, dass das kein Problem für ihn war. Er liebte Sonja genau wie Sie und ich, hielt anständig Abstand zu ihr und kümmerte sich rührend um Tim. Meine Mutter konnte ihm nichts anhaben. Er war immun gegen sie. Fragen Sie mich nicht, wieso. Schließlich teilten wir uns dasselbe Kinderzimmer und ihre schlimmen Worte…“ Wieder trank Kev mit sich allein.
„Woher wissen Sie denn, dass Bob und Sonja sich nicht näher gekommen sind?“, provozierte Stone. Doch Kevin verstand sofort, um was es ging. Der Alkohol hatte ihn sehend gemacht und er nickte verständnisvoll zu Stone: „Sie kommen zu spät, mein Lieber! Ich hätte Sie Ihnen von Herzen gegönnt! Sie passen besser zu ihr als ich! Aber da gibt es nur ein Problem! Mein Bruder beackert dieses Feld schon länger als Sie. Aber nicht, wie Sie jetzt denken!“ Kevin lachte laut bei dem Bild, was er vor Augen hatte. „Sie müssen nämlich wissen, dass beide mit ihrem Heiligenschein nicht in ein gemeinsames Bett passen würden! Sonja und Bob würden nie etwas Unredliches tun, was der Familie schaden könnte!“

 

 

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28. In Tims Zimmer

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28. In Tims Zimmer

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Sonja saß auf Tims Bett, während Stone die Schubfächer im Schrank und Schreibtisch professionell durchsuchte. Es war ihm unangenehm gewesen, aber es ließ sich nicht mehr aufschieben.
„Du verstehst doch, dass ich es jetzt tun muß?“ fragte er sie um Verständnis bittend.
Sonja rang die Hände als wolle sie eine Schuld abwaschen. „Ich verstehe nicht, was Tim damit zu tun haben sollte! Er ist ein Kind! Was hoffst Du, hier zu finden?“
Stone setzte sich dicht neben sie auf das Bett: „Jeder kann hier etwas hinterlegt haben. Wir haben das ganze Haus durchsucht, das Geschäft und Agathas Wohnung.“
Sonja sah ihn stirnrunzelnd an. „Heißt das, Du suchst nach etwas Bestimmten? Was war denn nun die Todesursache?“ Stone überlegte eine Weile, was er sagen sollte: “Es war Gift.“
Sonja sah ihn ungläubig an. „Was für eins? Aus unseren Kräutern?“
Stone hatte nicht von dem Extrakt gesprochen und Sonja fragte nur nach der Blütenform. Würde er denn nie weiterkommen?
„Was machst Du, wenn das hier alles vorbei ist? Verläßt Du ihn?“ Sonja war so überrascht über den Themenwechsel, der noch dazu einen Teil ihres Lebens betraf, über den sie sich selbst noch nicht im Klaren war.
Sie sah aus dem Fenster in die Ferne, dort wo der Wald begann und sie mit Bob im Gras gelegen hatte… „Ich weiß noch nicht, was geschehen wird, aber es wird sich Einiges ändern.“
„Meinst Du, wir könnten uns mal auf einen Cappuccino treffen, wenn das hier vorbei ist?“, hörte sie Stones Stimme aus weiter Ferne an ihr Ohr dringen.
Jetzt sah Sonja den Mann neben sich genauer an. Seine grünen Augen sahen hoffnungsvoll in die ihren und sein Gesichtsausdruck drückte neben altem Kummer auch ein tiefes Mitgefühl für sie aus. Er war ein guter Mensch und sie wußte dieses Angebot zu schätzen. Sonja streichelte sein rotes Stoppelhaar und strich ihm über die Wange. „Du meinst, wenn Du einen von uns verhaftet hast?“
Er nahm die schmale Hand und küßte ihre Innenseite mit einer solchen Zärtlichkeit. „Ich kann Dir nicht sagen, was wird, aber ich verspreche Dir, wenn ich irgendwie helfen kann, werde ich es tun.“
Sein Gesicht war jetzt direkt vor dem ihren und seine aufrichtigen Worte kamen ihr wie ein Rettungsanker vor. Sonja küßte ihn einfach und ihre Münder verschmolzen miteinander als hätten sie nie etwas anderes getan. Es war, als würde seine Kraft und ihre Hingabe sich in diesem Moment vereinen und sich hoch hinaus bis unter die Decke schwingen und alles um sie herum zum Guten wenden…
Die Tür wurde aufgerissen und Tim stand stocksteif da. Er ging wortlos an seinen Schreibtisch, holte eine CD aus dem Schubfach und verschwand wieder wie ein Gespenst. Während Sonja noch ihr Haar ordnete, hatte Stone ein Stück Papier unter dem Mauspad entdeckt, welches dort hervorschaute und betrachtete es nun näher. Es war ein Stück von diesen Violenaufklebern aus dem Labor und zwar ein rotes.
„Was macht dieser Aufkleber hier in Tims Zimmer? Hat Deine Schwester nicht gesagt, sie experimentiert nur im Labor damit, weil es sonst zu gefährlich wäre?“
In seiner Stimme war wieder der misstrauische Polizist zum Vorschein gekommen. „Wir werden am besten die anderen danach fragen und Tim auch“, forderte er Sonja auf, nicht ohne sich schuldig zu fühlen…

 

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29. Das große Finale

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29. Das große Finale

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Mac und Rose saßen eng umschlungen auf dem kleinen Sofa, um sich so gegenseitig zu beschützen, während Kev sich frech in einen Ohrensessel lümmelte. Sonja und Bob hatten Tim in ihre Mitte auf dem großen Sofa genommen. Stone beobachtete die Beteiligten vom Fenstersims aus, wie ein Jäger seine Beute. Noch nie war es ihm so schwer gefallen, zu ermitteln, wie dieses Mal. Alle standen ihm durch Sonja und Mac irgendwie nahe. Selbst ihr arroganter Ehemann hatte sein Mitleid erregt.
„Das Serum, welches Sie, Rose, in Ihrem Labor herstellten, wurde Agatha in oraler Form verabreicht und führte somit zu deren Tod.“ Ein unterdrücktes Stöhnen ging durch den Raum. Keiner sagte etwas. „Dieses Etikett, passend zu einer Viole mit selbigem Inhalt, wurde in Tims Zimmer gefunden.“
Er hielt das Beweisstück in einer Tüte hoch. Alle schauten wie gebannt auf dieses Ding, was so eine Bedeutung in ihr Leben gebracht hatte. Immer noch wartete Stone auf einen Kommentar, aber nichts kam. Eine Mauer des Schweigens mußte er durchbrechen. „Wenn wir darauf Fingerabdrücke finden, wissen wir mehr.“
„Was soll das schon bedeuten?“, schaltete sich Kevin streitlustig ein. „Jeder von uns kann diese Violen angefasst haben! Schließlich sind wir alle mal im Labor und schauen uns um!“
Stone nickte zustimmend in seine Richtung, überlegte kurz und richtete seine Frage an Rose. „Hat Agatha öfters etwas mitgenommen, ohne, dass Sie davon wußten?“ „Keine Ahnung, aber es wäre mir auch nicht aufgefallen“, rechtfertigte sich Rose, da sie sich sichtlich am Unwohlsten fühlte. Schließlich ging es um ihre Arbeit.

Plötzlich ertönte Tims Stimme klar und deutlich im Raum: „Ich habe gesehen, wie sie eine blaue und rote Viole eingesteckt hat. Sie nahm immer gerne etwas heimlich mit.“ Alle sahen Tim erschrocken an. Es war, als wäre er aufgetaucht aus seiner Welt, um die Wahrheit kund zu tun. „Aber warum sollte sie so etwas tun?“, wollte sein Vater ehrlich wissen.
„Weil sie Rose gehört hatte, als diese über die großartige Wirkung sprach“, schlußfolgerte Sonja richtig. „Sie wollte immer die erste sein, die alles ausprobiert und nur das Beste war gut genug für sie! Schließlich hat sie sich vom Dachboden auch die frischesten Kräuter für ihren Tee geholt, wenn wir nicht da waren. Das wissen wir ja jetzt.“
„Und sie hatte Ahnung von der Heilmittelherstellung durch Opa“, ergänzte Rose ihre große Schwester. „Aber wie konnte sie nur die rote Viole einnehmen?! Sie wußte doch, dass dies nur als Injektion gedacht war!“
„Vielleicht hat ja jemand die Etiketten ausgetauscht?“ Sinnierte Stone laut und sah von einem zum anderen. Man hätte eine Nadel fallen lassen und hören können, so still war es auf einmal, totenstill.
Tim fühlte sich nicht wohl in diesem Raum mit den vielen Menschen und deren unterschiedlichen Gefühlen. Sein Atem ging schwer und er taumelte von links nach rechts, um dies auszugleichen. Als Sonja und Bob versuchten, ihm Halt zu geben, konnte er ihre Berührungen nicht ertragen und sprang auf. Tim lief nach draußen in den Garten und holte tief Luft. Sein Blick blieb in den Wolken hängen und sah ihnen zu, wie sie mit hoher Geschwindigkeit davonzogen, ohne Rücksicht. So wie er es immer tat, wenn er seinen Weg gehen mußte…

 

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30. Die Auflösung

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30. Die Auflösung

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Sonja und Bob folgten Tim sofort in den Garten. Kev sah ihnen traurig hinterher. Er wußte, die beiden waren am besten geeignet, wenn es um Tims Frieden ging. Jetzt war es also so weit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Irgendwie fühlte er sich auch erleichtert. Er mußte sich nicht mehr schuldig fühlen und lügen. Wenn Sonja, Tim und Bob hier zusammen leben würden, konnte er sich problemlos bei ihnen zu Hause fühlen. Endlich! Was für ein langer Weg! Er freute sich insgeheim schon darauf.
Weihnachten würde er so richtig entspannt genießen können! Er mußte grinsen, eigentlich das erste Mal seit er geboren war!
Stone war den beiden langsam gefolgt und beobachtete sie aus einiger Entfernung. Schließlich wollte er den Jungen nicht ängstigen, aber er war der Wahrheit jetzt so nahe. Nun wollte er sie endlich wissen!
Bob beobachtete Tim, wie er in die Wolken starrte und fragte ihn dabei, ob er wisse, wie die Etiketten ausgetauscht worden sein könnten.
Tim sah ihn einen Augenblick verständnislos an und meinte nur, „Ich habe sie ausgetauscht. Ich wollte sehen, was passiert.“
Sonja sah ihren Sohn entsetzt an. „Ist Dir gar nicht in den Sinn gekommen, dass sie sterben könnte?“ „Doch natürlich“, stellte Tim offenkundig fest.
„Aber warum hast Du das getan?“, fragte Sonja hilflos. „Sie kann gar nicht mit uns verwandt gewesen sein. Sie hat uns nicht geliebt“, erklärte es ihr Tim.
„Was hast Du gemacht?” Bob wollte es begreifen.

„Ich ging in ihr Zimmer als sie den Tee unten kochte. Die Violen standen auf ihrem Nachttisch und ich löste die Etiketten einfach ab und klebte sie umgekehrt wieder fest. Rose macht das auch ab und zu, wenn sie die Aufkleber verwechselt hat. Dann ging ich wieder in mein Zimmer. Später habe ich die beiden Violen geholt. Am nächsten Tag habe ich sie ins Labor zurückgebracht und fallen gelassen.“ Sonja erinnerte sich, dass Rose ihr davon berichtet hatte.

Die Augen weit aufgerissen, stand Sonja starr vor Angst. Sie spürte nicht mal den kalten Wind auf ihrer Haut. Bob nahm sie in den Arm als könne er sie so beschützen vor diesen Worten.
Stone war übel geworden. Er spürte, wie sich eine Faust in seinen Magen grub. Dieses Kind hatte sich auf seine Weise gewehrt. Anders als seine Schwester hatte Tim einen Ausweg in seiner Welt gesucht und gefunden. Er sah die drei als eine starke Einheit, die alles gemeinsam schaffen würden. Stone wußte, wann es Zeit war, für ihn zu gehen. Er würde Sonja nie lieben können mit diesem Wissen. Doch er konnte so Einiges vergessen im Namen der Liebe…
Beim Hineingehen entschuldigte er sich. Er müsse noch den Bericht fertig schreiben über diesen bedauerlichen Unfall, bei dem die alte Dame versehentlich die beiden Violen vertauscht zu haben schien…

Als Stone in der Bibliothek nach seiner Tasche griff, sahen Mac und Rose ängstlich und fragend zu ihm auf. Schließlich hing ihr aller Schicksal von ihm ab. Selbst Kevins sorgenvolle Blicke appellierten an Stones Großmut, den er nie besessen hatte…
Stone nickte allen zu und meinte abschließend mit fester Stimme, dass alles geklärt sei. Es gab einen tragischen Unfall. Er mahnte Rose an, in Zukunft vorsichtiger zu sein, mit ihren Pflanzen!
Beim Hinausgehen wurden ihm seine Füße so schwer. Seine Hand lag auf der Klinke und er wußte, wenn sich diese Tür hinter ihm schließen würde, war es für immer. Er spürte eine unendliche Traurigkeit, aber auch Freude darüber, dass er diesen Menschen hatte helfen können, glücklich zu sein…

 

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31. eine neue Zeit beginnt

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31. Eine neue Zeit beginnt

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Als Bob mit Soja im Arm hereinkam, waren Rose und Mac bereits auf ihr Zimmer gegangen und Kev sah ihnen an, dass sie jetzt gerne alleine wären. „Ich mach dann mal ‘nen Cappuccino für uns alle”, nuschelte er zwischen den Lippen hervor und ging rauchend in die Küche.
Sonja setzte sich erledigt aufs Sofa und sah Bob prüfend an. Die ganze Sache hatte ihn mehr mitgenommen als sie vermutet hatte. Seine Hände zitterten und die Flasche Whiskey schlug gegen das Glas in seiner Hand. Er trank einen riesigen Schluck.
Tim kam herein und sah den beiden zu. Sonja betrachtete ihren Sohn mit Stolz. Er hatte gefühlt, was in Agatha vorging und handelte, weil er seine Familie schützen wollte. Er war wie sein Vater…
Bob setzte sich und fragte Tim, wie es ihm ginge. „Gut geht es mir. Ich hoffe, ich muß keine Spucke mit Euch wechseln, nur weil ich Euch liebe.“
Bob mußte schmunzeln und entspannte sich langsam. „Liebst Du Stone auch?“, fragte Tim seine Mutter.
Überrascht blickte Bob zu Sonja. Wie kam der Junge nur darauf? „Nein, natürlich nicht“, erwiderte Sonja errötend. „Ich dachte nur, weil Du ihn vorhin geküßt hast”, schlußfolgerte Tim.
Bob konnte seine Verwunderung kaum verbergen. Hatte er etwas nicht mitbekommen? Liebte Sonja diesen Mann? Hatte Stone sie deshalb alle vom Haken gelassen?
Tim spürte eine gewisse Spannung zwischen seiner Mutter und Bob und ging in sein Zimmer, um am PC zu arbeiten. Waren das wieder diese merkwürdigen Muster, von denen er nichts verstand? Tim wollte es auch gar nicht wissen und war mit seinen Gedanken schon ganz wo anders…
Sonja blickte verlegen zu Bob und erklärte es ihm. „Ich liebte ihn einmal sehr und es war immer noch was zwischen uns, aber das ist jetzt vorbei. Es ist sozusagen, damit abgeschlossen.“ Sie versuchte in Bobs Gesicht zu lesen.
Er schloss seine Augen kurz und forderte sie mit einer Handbewegung auf, sich zu ihm zu setzen. Sie waren sich jetzt sehr nahe. Er konnte einen Duft nach Kräutern wahrnehmen. Sein Gesicht in ihr Haar gebettet, atmete er alles ein, was sie für ihn ausmachte. Bob konnte es noch nicht fassen. Sonja wollte ihn und Tim! Kevin hatte es endlich eingesehen und der einzige Mensch, der es Bob und Sonja schwer gemacht hätte, lag jetzt mausetot in einem Gefrierfach…
„Du mußt mir versprechen, dass Ihr mit diesen giftigen Kräutern aufhört! Nicht, dass noch etwas Schlimmes passiert.“ Er strich ihr dabei sanft über das Gesicht und spürte jedes Fleckchen zarter Haut. Ihr Mund war jetzt dem seinen so nah, wie damals im Wald…
Sonja küßte ihn langsam als könne sie es noch immer nicht fassen, dass es endlich Bob war, den sie da küßte! Wie lange hatte sie sich verboten, davon zu träumen! Und nun war es endlich so weit! Sie konnte sich erinnern, wie es sich anfühlte, wenn seine starken Lippen an den ihren saugten. Er besaß eine solche Leidenschaft dabei, dass sie beinahe vergaß, wo sie sich befanden. Am liebsten hätte sie sich ihm auf der Stelle hingegeben… Ihre Finger glitten in sein Hemd und ertasteten seine starke Brust. Sie streichelte darüber bis sich ein Stöhnen aus seinem Innersten löste. Sie hörten ein lautes Klappern aus der Küche und fuhren auseinander. Beide hatten Kevin ganz vergessen und ordneten ihre Kleidung. Als Kev das herrlich belebende Getränk auf seinem Tablett herein brachte, saß Sonja in der einen Ecke und Bob in der anderen…
Kev mußte schmunzeln über diesen Trick. Er kannte sie schließlich alle! „Dein Hemdknopf ist noch auf, Bruderherz! Na, konntet Ihr es nicht erwarten?“
Lachend ließ er sich in seinen Sessel fallen. Auch Mac und Rose kamen hinzu, angelockt von diesem herrlichen Duft!

„Endlich ist alles wieder gut und wir können in Frieden weitermachen“, meinte Rose zu ihrer Familie. Sie sah Mac tief in die Augen und fuhr mit ihrer Hand streichelnd über seinen Oberschenkel…

 

32. Die glückliche Familie

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32. Die glückliche Familie

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Als Kev seine Sachen im Porsche verstaut hatte, war Tim schon nach oben gegangen. Er konnte sich schlecht verabschieden. Bob ging auf Kevin zu und umarmte ihn herzlich. „Du weißt, Du bist uns immer willkommen. Tim freut sich jedes Mal und wir auch.“
Kev schluckte schwer und nickte bestätigend: “ Sei gut zu ihr und verwöhn mir meinen Sohn nicht zu sehr bis ich wiederkomme!“
„Mach ich!“, rief Bob ihm hinterher als er schon aus der Auffahrt fuhr. Als Sonja aus dem Haus kam, war Kev bereits weit weg. Sie winkte ihm noch.
„Ich denke, er konnte es nicht ertragen, uns zusammen beim Abschied zu sehen.“
„Ich weiß“, meinte sie versöhnlich. Beiden gingen Arm in Arm wieder hinein.
In der Küche bereiteten sie gemeinsam das Essen vor. Tim wollte nicht nach unten kommen. Das Haus war verwaist und der Regen trommelte leise ans Fenster. Mac und Rose wollten im Laden nach dem Rechten sehen und danach in Macs Bude gehen…
Im Wohnzimmer brannte jetzt ein wärmendes Feuer im Kamin und heute aßen Sonja und Bob das erste Mal allein davor, weil Tim keinen Hunger hatte.
Bob legte seinen Kopf nach dem köstlichen Mal in Sonjas Schoß und genoss das zärtliche Streicheln. Es fühlte sich so gut an, sich zu seiner großen Liebe offen zu bekennen und sie zu leben! Irgendwann hielt er es nicht mehr so aus und drehte ihr seinen Mund hin, damit sie ihn einfach küssen mußte…
„Weißt Du eigentlich, wer von uns beiden Tims Vater ist?“
„Natürlich weiß ich das! Eine Frau, spürt, von wem ihre Frucht ist… Fühlst Du es denn nicht auch? Er hat das große Herz seines Vaters und dessen Mut! Er wollte uns retten! Genau wie sein Vater es immer tut!“
„Aber das erinnert mich gar nicht an Kevin…“
„Du bist manchmal so blind, wenn es um Dich selbst geht!“
Jetzt endlich verstand Bob, was Sonja ihm sagen wollte und er hielt sie selig im Arm.

Und so lebten sie gemeinsam glücklich alle unter einem Dach bis an’s Ende ihrer Tage…

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